Ups – ist da was schief gelaufen Frau Doktor ?

Es ist sechs Uhr abends, wir beginnen schon damit die EC-Cash Belege zu sortieren und den Kassenabschluss vorzubereiten, da kommt eine Stammkundin und sagt, sie muß sofort Ka Vit Tropfen haben und muß sofort dreißig Tropfen davon nehmen. Ihre Ärztin hätte sie eben angerufen und ihr diesen „Befehl“ gegeben.

Jetzt muß man wissen, daß Ka Vit Tropfen ein Vitamin K Präparat sind, die unter anderem genommen werden, wenn ein Patient zu viel Phenprocumon genommen hat. Phenprocumon – auch als Rattengift bekannt (genau genommen ist Warfarin Rattengift, aber Warfarin in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassenen) – ist ein Blutverdünner. Die Wirkung besteht in einer Hemung des Vitamin Ks – deswegen werden diese Stoffe auch Vitamin K Antagonisten genannt – und daraus resultiert eine Hemmung der Blutgerinnung und das wiederum verhindert Thrombosen. Wenn ein Patient zu viel Phenprocumon genommen hat, dann besteht die Gefahr von inneren Blutungen, die schnell lebensbedrohend werden können. Als Gegenmittel gibt man dann hochdosiert Vitamin K und kann so die Wirkung vom Phenprocumon aufheben.

Jetzt war es also sechs Uhr abends, wir hatten keine KaVit Tropfen oder sonst irgend ein Vitamin K Präparat an Lager, unsere Filialen auch nicht, auch die Kollegen vor Ort nicht. Was tun? So ganz ungefährlich war die Situation ja nicht. unsere Kundin  erzählte auf Nachfrage, daß sie morgens beim Arzt gewesen war und Blut abgenommen bekommen hatte. Aber die Praxis kam wohl erst spät am Nachmittag dazu sich die Ergebnisse anzusehen. Normalerweise gehen die Patienten mit den aktuellen Werten und der neuen Dosis Heim. Es scheint so gewesen zu sein, daß unsere Kundin zu viel Blutverdünner genommen hat und jetzt schnell mit einer Hochdosis Vitamin K die Wirkung des Medikaments aufheben sollte. Aber es war keines zu bekommen!

Was tut man jetzt? Wir haben natürlich die Tropfen bestellt, damit sie am nächsten Tag gleich da sind. Dazu haben ich etwas in unsere Literatur recherchiert und gefunden, daß Spinat viel Vitamin K hat. Die Empfehlung war also, sie möchte doch bitte heute Abend mindestens 300g Spinat essen, das wäre immerhin besser als nichts.

Sie war dann übrigens am nächsten Tag morgens bei der Ärztin, die uns dann anrief und uns hoch wichtig (der Ton der Dame ließ EINIGES zu wünschen übrig) mitteilte, sie müsse SOFORT dreißig Tropfen bei uns in der Apotheke einnehmen. …. War da vielleicht auch klein wenig schlechtes Gewissen und „Ar*** auf Grundeis“ dabei?

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7 Gedanken zu “Ups – ist da was schief gelaufen Frau Doktor ?

  1. KA-Vit ist immer lustig. Verkaufe ich gewöhnlich 1x im Jahr, aber das Datum natürlich nicht vorhersehbar. Aber dafür ist es meist super lange haltbar, so dass es sich wahrlich lohnt, eine Flasche hinzulegen…^^
    Und dann heißt es immer „Sofort!“ und „Warum nicht da?“ – Na weil mir keiner die ständig weggeschmissenen Flaschen bezahlt? Dürfen sich ja Tante und Onkel Doktor auch gerne ne Flasche in den Notfallschrank stellen – die Kasse würde die sogar als Sprechstundenbedarf übernehmen. Aber dann müßte man sich ja mit der kurzen Haltbarkeit rumschlagen, wo man die doch bloß wegschmeißt weil die ja nie einer braucht – außer wenn halt der Schuh nicht nur drückt sondern gerade den Fuß abschnürt. Na so ist das Leben…

    Einen ruhigen 4. Advent wünsche ich!

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  2. Eine praktikable Aushilfe bei nicht vorrätigem Vitamin K ist auch:
    Eine Schüssel Sauerkraut!
    Nach einer Studie der Dt. Herzstiftung ist der Vit. K Gehalt von Sauerkraut​ zwar gar nicht so hoch wie es historisch immer gemutmaßt​ wurde, die Erfahrung zeigt jedoch, dass die INR danach recht schnell​ abfällt.

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  3. „hüstel“
    Lässt sich zwar bestimmt nicht über die Krankenkasse abrechnen, aber für den Notfall. Tierarztpraxen haben das eigentlich immer vorrätig. Brauchen wir ja in der Praxis leider deutlich häufiger.
    Lg Narijanna

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  4. Nicht nur auf der Entbindungsstation werden die Vitamin-K-Tropfen/Ampullen verwendet. Die hat bei uns jede Station, v.a. die Chirurgischen. In der Notaufnahme liegen die auch. Und mit dem, was ich an Vitamin-K in der Krankenhausapotheke vorrätig habe, könnte ich viele Patienten versorgen. 😉
    Also das Krankenhaus wär fürs nächste Mal auch eine Idee. Sollte aber auch Frau Doktor wissen.

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