Ich will doch nur helfen!

Heute hatte ich gleich drei alte Frauen, die sich irgendwie nicht von mir helfen lassen wollten. Die erste kam mit einem abgerissenen Briefumschlag (wir sind hier im sparsamen Schwabenland!!) auf dem sehr schwer lesbar Muco Solvn, Schlamm für den die Leber stand. ????? Ich versuche genaueres aus ihr herauszubekommen – wofür soll das sein? Woher haben Sie das? Soll das etwas für die Leber sein?  Haben Sie eine Kundenkarte? Hatten Sie das schon mal? Sie hat deutlich Wortfindungstörungen, und zeigt immer auf den Bildschirm meiner Kasse. Da drin wäre das, sie hätte immer soviel Schleim, und da da und zeiget immer wieder auf den Bildschirm. Und wenn ich ihr nicht helfen will, dann geht sie eben wo anders hin. (Das wollte ich allen ersparen, denn mit dem Zettel könnte selbst ein Telepath nichts anfangen.)
Es stellt sich dann schließlich nach längerem hin und her raus, daß sie wohl irgendwo auf einem Bildschirm eine Werbung für Mucosolvan gesehen hatte. Nachdem das auch zu den geschilderten Symptomem passte, bekam sie das auch.

Mein zweiter Fall kam auch mit Rollator, kramte erst einmal lange im Korb rum um das Portemonnaie aus dem Tasche zu ziehen und begann ihren 10% Gutschein zu suchen. Hier stand ich daneben und sah zu, wie sie wieder und wieder jedes Fach durchsuchte, im Geldbeutel eine immer größere Unordnung verursachte und natürlich nicht fündig wurde. Mir zuckten die Finger um alles wieder an Ort und Stelle zu stecken, aber nein, sie macht das alleine…..Schlußendlich kramte sie noch eine Packung Norflox 400 raus, die sie kaufen wollte – ein rezeptpflichtiges Antibiotikum. Hier war nun nichts zu machen – dafür braucht sie ein Rezept und dafür muß sie zum Arzt.

Die Letzte, für die ich nichts tun durfte, rief an wegen Windelhosen. Erst erzählte sie mir lang und breit, daß sie beim Sanitätshaus war, und die sie an die Firma Hartmann verwiesen hatten und da dauert das immer zwei Wochen, bis sie die Windeln hat und sie braucht immer ein Rezept und der Arzt will erst ihre Karte haben und und und. Ich versuche in zu erklären, daß sie diese Artikel auch bei uns bekommen kann, daß ich mich um das Rezept kümmern kann und wir unseren Boten (ausnahmsweise) mit Proben zu ihr schicken (ausnahmsweise, da wir pro Lieferung 3,-€ zahlen und deswegen Proben, Kundenzeitungen oder Kalender nicht per Boten nach Hause liefern – Kalender hat übrigens echt mal jemand gefragt!) und der Bote nimmt dann ihre Karte mit, wir bringen sie zum Arzt und sie bekommt sie dann zurück. Nein, das will sie nicht…..aber sie hat ja niemand, und sie kann nicht kommen…..Meine Kollegin hat später noch einmal mit ihr telefoniert und jetzt holt der Bote die Karte, wir holen das Rezept etc. Also doch……

Alle drei tun mir leid – alle bräuchten jemand, der sich um sie kümmert. Wir tun, was wir können, aber letztendlich müssen auch wir schauen, daß es in einem Rahmen bleibt, der finanziell tragbar ist. Aber wenn ich dann nicht mal etwas kleines tun kann, dann tut mir das noch mehr weh.

 

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Ein Gedanke zu “Ich will doch nur helfen!

  1. Würden die „kleinen Lichter“ im Gesundheitswesen sich nicht so hingebungsvoll kümmern, wäre die ländliche Versorgung schon längst zusammengebrochen.

    Oder wie es ein Abgeordneter mal laut im Radio überlegt hat: „Würde man alle Dorfbewohner in die Städte zwangsumsiedeln… äh… umziehen lassen, dann hätte man weniger Logistikprobleme und mehr landwirtschaftiche Nutzfläche nach Abriss der Dörfer.“ Naja, mit der Abschaffung der gierigen kleinen goldnasigen Land- und Vorstadtapotheken wird dann bestimmt alles besser – siehe Schweden… ^^ 😉

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