Fasten – warum nur?

Wenn ich erzähle, daß ich faste, dann ist die erste Reaktion unweigerlich: DAS könnte ich nicht! Ich versuche dann nicht zu missionieren, da ich das partout nicht ab kann, wenn jemand das bei mir macht. Ich biete nur an, etwas drüber zu erzählen, wenn mein Gegenüber es will. Ich biete auch bei uns in der Apotheke Fastenkurse an, mit durchwachsenem Erfolg, muß ich gestehen. Mal sehen, wie es dieses Jahr läuft.Manche fragen mich dann, wie ich denn dazu komme: NICHTS essen für fünf bis zehn Tage! Das ist für viele ein Angriff in ihre innerste Komfortzone. Mit Essen ist ja enorm viel verbunden: Wohlgefühl und Gemeinschaft, aber auch Stress und schlechtes Gewissen, Unsicherheit (was ist die richtige Ernährung), kulturelle und personelle Identiät usw.

Trotzdem biete ich es immer wieder an, weil ich Fasten als eine ganz besondere Erfahrung anderen Menschen nahe bringen möchte und weil es ungemein gesund ist. Grundsätzlich ist das Fasten neben der Phythotherapie (das ist die Behandlung von Krankheiten mit Heilpflanzen) die älteste Heilkunde der Welt und wird sogar von Tieren praktiziert. Jeder, der schon mal ein krankes Haustier hat (oder auch ein kranken Kind nebenbei) merkt, daß ein krankes Tier (oder Kind) nichts frißt, nichts fressen möchte. Keiner, der eine schwere Lungenentzündung hat, verlangt nach kräftigenden Speisen oder hat großen Hunger. Dabei sollte man meinen, daß ein Kranker doch erst recht die Engergie braucht. Statt dessen möchte ein Kranker lieber viel trinken oder maximal eine leichte Suppe. (Kennt ihr den Cartoon von Gary Larson? Hühnerauge ist gut bei Erkältung und es ist niemand den wir kennen?) Dieses Paradox erklärt sich schnell, wenn man weiß, daß die Verdauung alleine pro Tag fünfhundert Kilokalorien verbraucht. Das ist gut ein Viertel unseres Gesamtumsatzes!

Die Fähigkeit längere Zeit ohne feste Nahrung zu überleben ist in jedem von uns fest genetisch verankert. Ohne diese Fähigkeit hätte die Menschheit die regelmäßigen Hungersnöte ja nie überlebt. Wobei Hunger und Fasten nicht das Selbe sind, Hunger ist nie freiwillig, sondern wird uns von außen aufgezwungen, Fasten ist immer freiwillig, ohne Zwang und selbstbestimmt. Die körperlichen Vorgängen mögen die selben sein, aber was im Kopf stattfindet ist völlig anders. Es gab von einem Jahr einen tolle Film übers Fasten bei ARTE, man kann ihn auch noch in youtube finden unter „Fasten und Heilen, altes Wissen und neuste Forschung“. Fasten war bis zum Beginn der wissenschaftlichen Medizin – deren Erungenschaften ich sehr schätze! – ein fester Bestandteil der Therapie. Leider wurde sie, neben wirklich unsinnigen Vorgehensweisen, völlig vergessen und führt jetzt ein Schattendasein mit Blödsinn wie Edelsteintherapie in der Esotherikecke. Es gibt aber inzwischen auch ernsthafte Forscher, die das Fasten wieder entdeckt haben und damit arbeiten. Ein Problem ist aber, daß niemand am Fasten groß verdient. Wie einer der Forscher in dem Film vom ARTE sagt: hätte ich eine Pille, die das kann, was das Fasten kann, dann stünden die Pharmafirmen bei mir Schlange und ich würde in Forschungsgeldern schwimmen.

Wenn jetzt jemand neugierig geworden ist: der Klassiker für alle Faster ist von Dr. Lützner:  Wie neugeboren durch Fasten. Gute Adressen sind die Deutsche Fasten Akademie und der UGB Gießen.

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7 Gedanken zu “Fasten – warum nur?

  1. Ich faste einmal jährlich, allerdings nur kürzer: Von Gründonnerstag bis Ostersonntag.

    Ich kann fasten prinzipiell einiges abgewinnen und sehe auch die Vorteile. Was ich eher kritisch sehe, ist das ganze Bohei um das „Entschlacken“. Also vollständige Darmreinigung von irgendwelchen schädlichen Stoffen.
    Ich war letztes Jahr in einem Yoga-Ashram, da wurde eine ayurvedische Fastenkur angeboten. Leider beinhaltete diese…nunja, Einläufe und auch Magenreinigung. Da wird sich oben und unten Flüssigkeit reingekippt, dass dann komplett wieder raus soll…danach könnte ich auch nichts mehr essen.

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  2. Ganz negativ stehe ich dem Fasten nicht gegenüber. Was mich bisher abschreckt: man soll ziemlich unangenehm riechen, wenn die Giftstoffe ausgedünstet werden und auch die Laune ist erst einmal im Keller, wenn man mit dem Fasten anfängt.

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    1. Das mit dem Geruch ist so eine Sache, ist nicht notgedrungen so, das hängt sehr davon ab, wie man vorher gelebt hat und was man seinem Körper alles so zugemutet hat. Die Laune kann ebenso von super toll bis alles Mist schwanken. Es hängt extrem davon ab, aus welcher Situation ich mich ins Fasten begebe. Eine Grenzerfahrung ist es allemal.

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    2. …bei jedem verhält sich der Körper anders, ich rieche zB. nicht und meine Laune ist super…nach dem zweiten oder dritten Tag, die etwas schwieirg sind, hat sich mein Körper völlig auf nichtessen umgestellt, ich fühle mich dann leicht und bekomme gute Laune…bei mir wirkt Fasten auch gegen Depression…aber wie gesagt, wie Fasten wirkt, muss jeder selber ausprobieren…

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  3. Wie Delilah stört mich dabei die Verquickung mit der sogenannten „Entschlackung“ oder „Entgiftung“. Ob und was und wie viel jemand isst, ist seine/ihre Sache, so lang man dabei arbeitsfähig bleibt. Da ich schon merke, wie unkonzentriert ich werde, wenn ich länger als 4 Stunden nichts esse, halte ich mich selber für „fastenungeeignet“ (ich rede von einer Fastenaktion, während man ganz normalen Alltag lebt, also nicht im Rahmen eines Kur-Aufenthalts oder einer Erkrankung).
    Mittlerweile lutsche ich auch ein oder zwei Traubenzucker, ehe ich abends nach Hause fahre, weil ich 40 Kilometer Autobahn (Basel Richtung Zürich, also reichlich Verkehr) nicht „unterzuckert“ antreten möchte und ich mir einbilde, dass das meine Konzentrationsfähigkeit unterstützt.
    Andere leben ständig mit alternierenden Fastentagen (also 1 Tag essen, 1 Tag nichts essen) und kommen gut damit zurecht. So ist jeder verschieden.

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    1. Wie bei Allem ist das Fasten eine Sache der Übung, je öfter ich es mache um so schneller und leichter wechselt mein Körper in den fastenmodus. Ich würde nie einem Erstfaster raten, das während des normalen Alltags zu machen – ein erfahrener und geübter Faster kann das sehr wohl. Es hilft auch ungemein um eben diese Hungeräste besser zu meistern.

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