Rezepte und Regeln

Wie lange gilt ein Rezept? Ein Rezept über ein verschreibungspflichtiges Medikament gilt – mit bestimmten Ausnahmen – grundsätzlich drei Monate. BTM-Rezepte und sog. T-Rezepte nur sieben Tage. Verordnungen über Tretinoin (ein Aknemittel) dürfen an Frauen im gebärfähigen Alter nur innerhalb von sieben Tage beliefert werden und es darf nur der Monatsbedarf abgegeben werden. (Eine kranke Kasse wollte einen Kollegen retaxieren, weil er einer Frau jenseits der Wechseljahre mehr als Monatsbedarf und nach sieben Tagen abgegeben hatte. Der Richter soll bei der Verhandlung seinen Spaß gehabt haben.) – Nur so nebenbei: ich rede hier immer vom Arzt, selbstverständlich sind auch sämtliche WEIBLICHEN Vertreter dieser Berufsgruppe mitgemeint. Arzt ist nur eben etwas schneller geschrieben als Ärztin, also reine FAULHEIT von mir! Nicht als was-auch-immer zu verstehen….und alles was Recht ist, aber ArztIn geht ja schon mal gar nicht. 🙂

Was für Rezepte gibt es? Es gibt die rosa Kassenrezepte, die gelten auch drei Montae, aber die  Krankenkasse übernimmt die Kosten nur in den ersten 28 Tagen (=vier Wochen), danach wird das Rezept wie ein Privatrezept behandelt. Privatrezepte haben – im Gegensatz zu den rosa Rezepte, keine Vorschriften bezüglich ihres Formates. Mein Arzt kann, so er oder sie das denn toll findet, seine Verordnung auf Klopapier  oder Kaffeefilter schreiben, er muß allerdings inhaltliche und formale Regeln, also die Vorgaben der Arzneimittel-Verschreibungsverordnung, einhalten. Privatrezepte werden in der Apotheke (oder beim Physiotherapeuten etc.) vom Versicherten selber voll bezahlt. Der Versicherte muß sich anschließend selber darum kümmern, daß er sein Geld von seiner Kasse erstattet bekommt. Es gibt die Möglichkeit der Kostenabtretung, da erlaubt der Versicherte, daß die Apotheke selber direkt mit der Kasse abrechnet. Manche machen das bei teuren Medikamenten – es kann schließlich nicht jeder mal so locker z.B. 2.000,-€ für eine Packung Humira vorschießen.  Daneben gibt es noch die BTM-Rezepte, die können sowohl Privat als auf die GKV ausgestellt werden. Diese Rezepte sind alle durchnummeriert, bestehen aus drei Teilen (eine Kopie für den Arzt, eine für die Apotheke und eine zur Abrechnung), der Arzt muß diese Rezepte bei der Bundes Opiumstelle anfordern, die Nummern werden auf ihn registriert und diese Rezepte dürfen nur von ihm verwendet werden. Ein Arzt kann sich also nicht mal schnell beim Kollegen ein paar BTM-Rezepte ausleihen. Wenn BTM-Rezepte gestohlen worden, dann werden den Apotheken die Nummern der Rezepte durchgegeben, damit die Apotheken Bescheid wissen. Die Nummern der Rezepte müssen auch zusammen mit den Namen des Verordners, des Empfänger, des Datums der Abgabe, des Medikaments mit Dosierung und Menge in der Apotheke dokumentiert werden. T-Rezepte sind Rezepte auf die nur Thalidomid verordnet werden darf. Ja, genau das unter Contergan unrühmlich in die Medizingeschichte eingegangene. Das hilft bei ganz bestimmten Krankheiten, und wegen der besonderen Umstände, ist die Verordnung auch besonders kompliziert geregelt. T-Rezepte kommen auch mit Durchschlag. Diese Rezepte sind, wie BTM-Verordnungen zu dokumentieren, und die Durchschläge (so man den unerfreulicherweise mehrere davon hat) wöchentlich ans BMG zu schicken. Bei nicht Einhalten dieser Vorschrift drohen empfindliche Strafen. Und dann gibt es noch die sog. Grünen Rezepte, diese sind als Empfehlung des Arztes zu verstehen. Er verordnet hier die Medikamente, die er für sinnvoll hält, die aber nicht mehr von der GKV bezahlt werden. Amüsant ist es dann, wenn ein Arzt „irgendein Magnesium vom ALDI“ auf ein grünes Rezept schreibt und der Patient dann damit bei mir in der Apotheke steht …… Solange auf dem grünen Rezept nichts verschreibungspflichtiges steht, gilt es ewig, wie ein besserer Einkaufszettel.

Noch ganz zum Schluß, weil das immer wieder vorkommt: die Gültigkeitsdauer hat NICHTS mit dem Quartal zu tun. Leicht zu verstehen, wenn man mal überlegt, daß dann ein Rezept vom 1.4. (Quartalsbeginn) bis zum 30.6. (Quartalsende) gelten müßte. Wenn ich aber am 28.6. zum Arzt ginge, ich nur noch bis 30.6., also zwei Tage Zeit hätte meine Verordnung einzulösen!

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Ein Gedanke zu “Rezepte und Regeln

  1. Die T-Rezepte scheinen die Apotheken-Praxis tatsächlich zumindest in der ersten Zeit vor Schwierigkeiten gestellt zu haben; es drohen nämlich nicht nur dann Strafen, wenn die Durchschläge nicht – rechtzeitig – eingereicht werden, sondern auch dann, wenn T-Rezepte noch (weit) nach Ablauf der einwöchigen Gültigkeitsfrist beliefert werden, was aufgrund der verpflichtenden Angabe des Abgabedatums selbst für das BfArM nicht gar so schwer festzustellen ist …

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