Handys in der Apotheke

Ein Artikel beim Kinderdoc hat mich erinnert, daß ich grade gestern ganz froh über die Existenz von Handys war. Wie öfter schon mal, war die Kundin nicht für sich einkaufen, sondern für jemand anderes, nämlich ihre Mutter. Die Mutter wollte „Aspirin und irgendwas für Halsschmerzen“. Ich fragte also wie immer: hat Ihre Mutter Probleme mit dem Magen? Natürlich hat sie, sie nimmt sogar einen Säureblocker. Also Aspirin ist hier nicht, gebe ich nicht, bitte etwas anderes. Ich empfehle Grippostad (Herr Gläske und Ökotest beginnen zu zetern und motzen, kann ich mit leben) als Alternative. Jetzt kommt das Handy zum Einsatz, Kundin telefoniert länger mit ihrer Mütter, netterweise geht sie nach einer Weile raus und telefoniert draußen weiter. Es klingt etwas lautstark nach Überzeugungsarbeit – meine Argumentation hat die Kundin scheints überzeugt.Schließlich kommt sie irgendwann wieder rein und nimmt wie empfohlen kein Aspirin. Hier lobe ich mir doch das Handy, das es den Kunden ermöglicht schnell und unkompliziert Rücksprache zu halten. Selbstverständlich hätte sie auch von unserem Telefon aus anrufen können, aber dann wäre eine Leitung belegt und an manchen Tage brauchen wir wirklich ständig alle Leitungen, die wir haben!

Es gibt aber natürlich auch die Negativ-Beispiele, und diese Geschichten kann jeder erzählen, der als Verkäuferin arbeitet. Kunde betritt telefonieren das Geschäft, reicht mir ohne Gruß oder sonstiges Wort sein Rezept und telefoniert weiter. Häufig genug sind es Gespräche in der Art von: „Dann hab ich gesagt und dann hat die Karin gesagt, daß die Claudia da war und der Peter hat dann da mit dem Kalle oder der Effi die Runden gedreht. Usw.“ Also unglaublich wichtige und unaufschiebbare Informationsübermittlung. Oft genug auch so laut, daß problemlos die ganze Apotheke mithört,wie Kevin da bei der Gisi die Bettdecke gelüftet hat oder so ähnlich. Bei diesen Zeitgenossen habe ich mir angewöhnt zwar alles so weit fertig zu machen, aber dann zu warten, bis sie merken, daß da nichts weiter geht. Meistens werde ich dann übers Handy hinweg angeschaut und mimisch gefragt: „Ist noch was? Wieso geht das nicht weiter?“ Meine Antwort ist eine Version von: „Ich möchte Ihnen zu den Medikamenten noch etwas sagen, können Sie bitte kurz Pause machen?“ Manche erinnern sich dann doch noch an ihre Manieren und beenden ihr Gespräch „Du, ich bin grade in der Apotheke, ich ruf Dich dann zurück.“ Oft ist es aber auch nur ein „Warte mal kurz, ich bin gleich wieder dran.“ und sobald ich fertig bin, schnalzen sie wie ein losgelassenenes Gummiband mit dem Ohr und Hirn zurück zu dem fürchterlich wichtigen Gespräch mit der Petra oder dem Kevin.

Diese Dinger sind schon immens praktisch – aber wenn ich dann eine Mutter sehe, die mit dem Kinderwagen spazieren geht und dabei auf das Display und nicht das Kind schaut – das kann nicht wirklich sonderlich gut sein. Und es ging weiland auch ohne. Ich war – das war noch in den 80ern – mit meiner Schwester und ihrem Freund an der Bushaltestelle von Calpe verabredet. Sie wußte, wann mein Bus kommt und sollte mich da abholen. Ich kannte weder ihre Adresse noch irgendeine Telefonnummer. Warum auch, schließlich hatten wir uns schon genau so an der Bushaltestelle in Kusadasi in der Türkei verabredet und getroffen. Aber in Calpe gibt es zwei Haltestellen……und sie warteten der anderen. Trotzdem konnte ich in einem Lokal am Münztelefon (ich hatte zum Glück schon spanisches Geld) meine Mutter in Deutschland anrufen, die rief meine andere Schwester an, die die Telefonnummer der Schwester vom Freund hatte und so gab es ein fröhliches kleines Telefonrundrufen und schließlich erfuhr ich die Adresse zu der ich mußte und wurde von zwei deutschen Touristen per Motorrad hingefahren. Ging auch alles.

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2 Gedanken zu “Handys in der Apotheke

  1. So hatten wir die Tage einen jungen Mann mit Baby in der Apotheke. Babyschale mit krankem brüllendem Zwerg stand auf dem Boden…Papa reichte der Kollegin wortlos das Rezept, während er seelenruhig auf dem Handy tippte. Als der Kleine vor lauter Schreien schon einen dunkelroten Kopf bekam, ging ich um den HV-Tisch rum, kniete mich vor den Kleinen und meinte „Der Papa ist ja gleich fertig…der muss noch deine Medikamente holen, sein Handy wegpacken und dann kümmert er sich um dich.“
    Blödes Gesicht papaseits…der nahm dann die Tüte, stopfte sie mit in die Babyschale, schnappte sich sein Kind und ging tippenderweise nach draußen…

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  2. Wenn ich telefoniere-n (muss), dann draußen und gehe erst dann rein.
    Ich persönlich mag es nicht.
    Da ich i.d.R. für meinen Mann und meiner Mutter immer Medikamente hole, weiß ich ungefähr was sie brauchen, außerdem haben beide eine „Akte“ bei unserer Stammapotheke.
    Ich musste jedoch auch schon meinen Mann anrufen da dieser etwas brauchte. Er hat dann mit der Apothekerin über mein Handy gesprochen und alles abgeklärt. Ich hasse es immer alles wiederholen zu müssen… 😉

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