Apotheken sterben nur langsam…

…aber dann oft sehr qualvoll. Ihr erinnert Euch vielleicht an einen Gastbeitrag beim PTAchen von mir. Da erzählte ich auch davon, wie schwer es für einen Inhaber einer Apotheke ist, diese zu schließen. Da hat man jahrelang etwas aufgebaut, kennt seine Stammkunden und liebt seine Apotheke. Aber etwas ist faul, die Zahlen werden erst schleichend, dann immer schneller immer nur schlechter und noch schlechter. Dann werden Sparmaßnahmen eingeleitet, erst nur hier die Kundenzeitungen reduziert, dann dort der Botendienst, aber aufhören? So schlimm ist es doch gar nicht, das wird doch wieder besser (es muß!!!) und vor allem immer im Hinterkopf der Gedanke: was mache ich den dann? Dann geht man vielleicht hin und schießt das Geld aus seiner Altersvorsorge zu um die Apotheke am laufen zu halten. Oder macht Schulden beim Großhändler um die Ware zu bezahlen, die man ja braucht um weiterzumachen. Und so nimmt das Unglück seinen Lauf. Wenn dann vielleicht noch gesundheitliche Probleme wie eine Depression oder schwere Erkrankung dazu kommen, dann passiert das, was jetzt einer lieben Kollegin von mir passiert ist: Insolvenz. Dann ist man gezwungen zu schließen und steht vor den Trümmern eines Lebenswerks.

Zum Glück hat sie sich an unser Forum erinnert und sich an uns gewandt und uns ihre Situation geschildert. Und natürlich helfen wir wie und wo wir können. Wenn es also noch andere mitlesende Apotheker oder PTAs gibt: sie wird ihre komplette Apotheke auflösen, wenn jemand von Euch etwas braucht und gewillt ist auch einen fairen Preis dafür zu bezahlen, dann bitte eine Mail an mich, ich leite es weiter. Es gibt Schubladensäulen, das komplette Labor, Topitec, Schmelzpunktgerät, Rechner, Bildschirme, Scanner etc., was halt so alles in einer Apotheke steht.

Es ist keine leichter Schritt ein Geschäft zu schließen. Selbst wenn man keinerlei eigenes Verschulden an der Pleite hat, es bleibt der schale Nachgeschmack des Versagens. Apotheken hängen noch viel mehr, als andere „normal“ Geschäfte von den Launen der Politik ab. Es reicht eine Gesetztesänderung um hunderte von Apotheken zu ruinieren. Mich hat es 2002 erwischt, als eine der großen Gesundheitsreformen in Kraft trat. Ich hatte nur einen Monat vorher meinen Mietvertrag um fünf Jahre verlängert, als mich mein Steuerbrater anrief und mir sagte, ich solle auf keinen Fall meinen Mietvertrag um fünf Jahre  verlängern….Zwei Jahre später zog ich die Reißleine, rechtzeitig zum Glück. Aber es war eine Entscheidung, die ich zwei Jahre lang mit mir herumschleppte. Ich kam noch glimpflich davon, konnte die Räume weitervermieten und mußte nur drei Jahre lang eine Mietdifferenz zahlen. Es hätte mich auch schlimmer erwischen können.

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Ein Gedanke zu “Apotheken sterben nur langsam…

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