Erfolgsstory mit Pferdefuß

Als ich im letzten Semester war, hatten wir in Pharmakologie bei den Mittel gegen Säurebeschwerden als allerneuste Errungenschaft die Protonenpumpenhemmer (=PPI). Ganz stolz ob der neuen Erkenntnisse lernten wir den Mechanismus dieser Protonenpumpen und wie man sie hemmt. Davor gab es die Histamin-Antagonisten Cimetidin (welches sehr schnell vom Markt verschwand, weil es die „schönsten“ Interaktionen machte) und Ranitidin. Letztes gibt es heute noch, wird aber so gut wie gar nicht mehr verordnet.Der Siegeszug der PPIs war nicht aufzuhalten. Als dann auch noch zum Omeprazol das Pantoprazol hinzukam, welches auch wieder ein besseres Wechselwirkungsprofil aufwies, und das Patent endlich ablief, gab es kein Halten mehr. Schmerztherapie mit Diclo-Ibu und Konsorten? Kein Problem mehr, wir geben ein Pantoprazol dazu und die Therapie wird vertragen. Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht mindestens vier bis fünf Packungen Pantoprazol auf Rezept abgeben. Und weil sie so gut verträglich sind und so gut helfen, bekommt man sie inzwischen sogar ohne Rezept. Alle sind glücklich!

Aber wie immer, wenn man in Regelkreise eingreift, die man vielleicht noch nicht bis ins letzte Glied erforscht hat, merkt man irgendwann, daß dieser Eingriff plötzlich Folgen hat, mit denen keiner gerechnet hat. Das ist inzwischen bei den PPIs auch der Fall.

Wer langfristig PPIs einnimmt bekommt einen Vitamin B12 Mangel, da unser Körper die Magensäure braucht um den sog. Intrinsic-Factor zu bilden, der uns die Aufnahme von B12 erst ermöglicht. (Das ist übrigens nebenbei der Grund, warum mir B12, das von bestimmten Darmbakterien gebildet wird nichts bringt, ich kann es nicht resorbieren)

Der nächste Problempunkt ist unser Säure-Base-Haushalt: wenn mein Körper eine Säure (Magensäure) bildet, dann entsteht dabei immer auch eine Base (wir haben HCl für den Magen und NaHCo3 als Base). Diese Base gehört zu den verschiedenen Puffersystemen, die unser Körper hat. Und der NaHCO3-Puffer ist ausgerechnet auch noch das System, das die Hauptarbeit der verschiedene Systeme leistet. Jetzt hemme ich mit den PPIs ja massiv die Produktion von HCl und somit auch von NaHCO3. Die Folge: der Körper muß auf andere Puffer zurückgreifen und das ist nun leider unser Knochengerüst, langjährige Einnahme von PPIs ist eine Ursache für Osteoporose. Wir werden in ein paar Jahren vermehrt Fälle von Osteoporose haben und vor allem nicht mehr bei Frauen, sondern jetzt wird es auch massiv die Männer betreffen!

Wenn jemand also langfristig PPIs nehmen MUSS, dann bitte: nehmt zusätzlich B12 und ein Basenpräparat! Eure Gesundheit wird es Euch danken!!

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7 Gedanken zu “Erfolgsstory mit Pferdefuß

  1. Gerade wegen der Gefahr der Osteoporose hatte ich vor einer Weile mal gedacht, ich setze mein Pantoprazol lieber ab. Böser Fehler.
    Ich bekam – zumindest gefühlt – schlimmeres Sodbrennen als vorher, so dass ich nach wenigen Tagen freiwillig die Einnahme fortsetzte.
    Momentan nehme ich sie jeden zweiten Tag, was ganz ok ist, aber sobald ich auf jeden dritten Tag strecke, geht das Brennen wieder los.

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  2. Sollte das Vitamin B12 dann nicht lieber i.m. gegeben werden? Wenn die Aufnahme durch die PPI-Einnahme nicht mehr gewährleistet ist bringt es meines Erachtens nicht viel noch mehr Vitamin B12 zu schlucken. (Minimale Aufnahme durch Diffusion).
    Der Säurerebound (vermehrtes Sodbrennen nach Absetzen) ist ein wirkliches Problem für die Patienten. Nicht jeder macht es mit für 1Woche Antazida zu schlucken. 🙂 Vllt. wird es Mit einem ausreichend hoch dosierten Basenpräparat von Anfang an leichter. 🙂

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  3. Ich hab die auch bekommen weil ich da das doofe Heliobakt.. Oder so eingefangen hab und dann als Folge von nem üblen Mobbing an der alten Arbeitsstelle mein Magen komplett versagt /gestreikt hat.. Aber ich hab dann auch auf eigenen Wunsch die Dosierung auf die kleinste Stärke ändern können und nachher die Einnahmemenge langsam reduziert. Gleichzeitig hab ich auf Alkohol, Zucker, ect, was den Magen „belastet“ verzichtet und kann nun zum Glück wieder komplett darauf verzichten. Und dieser Eintrag zeigt mir dass ich doch zu Recht nicht länger als unbedingt nötig die Medikamente nehmen wollte.. Danke!

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