Ewige Vorurteile

Auf der Homepage der Mitteldeutschen Zeitung ist ein Bericht über die Bemühungen von Minister Gröhe zum RX-Versandverbot. Dieser wird z.Z. unter anderem von Frau Zypries blockiert. In den Kommentaren tauchen wieder alle die Vorurteile gegen die reichen Apotheker auf, die nur ihre „Pfründe“ (das Wort ist allerdings noch nicht gefallen, ist aber sicher nur eine Frage der Zeit) verteidigen. So gehören „die Apotheker“ zu den „Reichsten“ und zwar nicht nur die, die eine Apotheke mit Laufkundschaft haben. Was der Kommentator unter „die Reichsten“ versteht, sagt er leider nicht. Ist das schon jemand mit 50.000,-€ Jahreseinkommen oder erst ab 200.000,-€? Eine Vollzeit Angestellte im 10 Berufsjahr kann tatsächlich schon 50.000,-€ Jahreseinkommen schaffen. Viele Selbstständige liegen laut den Zahlen der Treuhand Hannover in der selben Größenordnung, ohne die Annehmlichkeiten von bezahltem Urlaub, Krankschreibungen oder Kündigungsschutz.Selbstverständlich fehlt auch nicht der Aufruf, daß Herr Gröhe doch mal endlich entschlossen gegen „die Pharmalobby“ vorgehen soll. Ich frage mich immer: wer ist diese ominöse Pharma-Lobby? Sind das die Apothekerverbände? Wenn ja,  wie heißt dann die Lobby der pharmazeutischen Industrie? Oder werden wir einfach alle in ein Boot geworfen? Großkonzerne, die weltweit agieren, zusammen mit den mittelständischen Unternehmen, die sich neben Deutschland noch in ein paar Nachbarländern engagieren und den kleinen Mittelständlern, die wirklich nur Nischenprodukte vertreiben und dann wir Kleinstkaufleute? Sind wir alle zusammen „die mächtige Pharmalobby“?

Ja, wir verteidigen unsere Margen, denn wenn die noch kleiner werden als sie jetzt schon sind, dann werden noch viel mehr Apotheken schließen müssen. Und es schließt jetzt schon jeden Tag eine Apotheke für immer die Tür ab (nur Sonntags nicht, da schließen wir erst gar nicht auf). Warum wohl, wenn wir doch so gut verdienen?  Die Apothekenzahl wird dieses Jahr unter 20.000 fallen, die niedrigste Zahl seit der Wiedervereinigung. Die Realität hat inzwischen schon die Prognose der ABDA zu der Entwicklung der Apothekezahl überholt. Nach Schätzungen unserer Berufsvertetung hätten wir erst 2019 bei der jetzigen Apothekenzahl sein sollen.

Und bitte schön: was soll ich den anderes machen, als meine Position zu verteidigen? Den Dieb mit offenen Armen in mein Haus einladen und ihm das Tafelsilber selber in seinen Beutesack stecken und freiwillig die Kombination vom Safe verraten?

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Ein Gedanke zu “Ewige Vorurteile

  1. Es gibt ein lesenswertes Buch von Ayn Rand namens „Atlas wirft die Welt ab“, in dem sie eine Welt zeichnet, in der die Fleißigen, die Schaffenden, die Unternehmer und Erfinder in Streik treten. Somit ist die Welt den ewig kritisierenden, einfordernden, aber selbst wenig Produktiven überlassen. Und das ist keine rosige Welt…

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