Notdienst Nachlese

Als meine Kollegin gestern mittag ging, sagte sie mir noch, daß sie nichts extra für den Dienst bestellte hätte. Manchmal – besonders im Winter bei Sonntagsdiensten – bestellen wir Antibiotika-Säfte und ähnliches auf Verdacht, denn wir haben keinen Kinderarzt in der Nähe, brauchen die deswegen nicht so viel und haben entsprechend wenig davon an Lager. Ich meinte dann, das ist ok, man bestellt eh immer nur das Falsche, und tatsächlich: ich habe auch wirklich nichts gebraucht. Üblicherweise sind sicher gut die Hälfte aller Rezepte aus dem Notdienst für Kinder, und die Hälfte davon sind über Antibiotika.
Weshalb ich mich auch immer fürchterlich ärgere, wenn sich Seniorenvereine politisch profilieren wollen und monieren, daß es vor Ort keine Notdienstapotheke gäbe und die armen Senioren dann in den Nachbarort fahren müssten. Ganz ehrlich, aus über zwanzigjähriger Erfahrung: Senioren sind die, die wir im Notdienst am aller wenigsten sehen!!
Nach Rezepten für Kindern, bzw. Eltern, die wegen eines kranken Kindes kommen, sind  – Anzahl mäßig – die nächst häufige Kunden, die „normale“ arbeitende Bevölkerung, also von 18 bis 65 Jahren. Davon kommen sicher zwei Drittel ohne Rezept, waren also vorher gar nicht erst beim ärztlichen Notdienst. Warum auch, denn die Beschwerden rangieren i.d.R. von unkomplizierten Blasenentzündungen über Erkältung zu leichten Verletzungen. Ab und zu hat man dann schon mal jemanden, den ich dann doch in die Notfallpraxis schicke, weil es eben doch nicht harmlos ist.
So wie gestern Nacht, als die Ehefrau etwas gegen Blasenentzündung für ihren Mann wollte. Blasenentzündungen bei Männern sind nie harmlos oder unkompliziert, die habe ich zum Arzt geschickt.
Senioren, also jenseitig der siebzig und aufwärts, sind im Notdienst wirklich sehr selten. Mich würde mal interessieren, wie das in den ärztlichen Praxen aussieht?

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4 Gedanken zu “Notdienst Nachlese

  1. Hatte just am Samstag nen Senioren mit folgender Kostellation im Notdienst:
    -touristisch vor Ort
    -Medis zu Hause vergessen
    -Medi-Namen nur ungenau ohne genaue Rückschlüsse auf das WIRKLICHE Produkt
    -keinen Medi-Plan dabei
    -sonst werden Medis über den (niederländischen) Versandhandel bezogen
    ->na einloggen um zumindest rauszufinden, WAS sonst so genommen wird (bzw. werden sollte)
    -Login wegen vergessenem Passwort gescheitert…

    Da gingen mir auch die Ideen aus, wie man noch helfen könnte…

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      1. Nachdem ich betont hatte, dass es mit persönlich egal ist, wer denn im Ausland bestelle, meinte er dann, er gehe natürlich auch in die VorOrtApo, wenn er etwas akutes hat. Ich habe dann mal erklärt, dass man von 20% (wenn alle chronisches Medis umgeleitet werden) nicht mehr leben kann und halt insolvent geht, Oja, ehrlich? Und ich habe mal gefragt, ob der niederländische Versender sich Samstags Mittags auch den Popo aufreißt, um so ein Problem dann zu lösen. Und als das Ich muss schließlich sparen! -Argument kam, habe ich mal gefragt, was das Finanzamt (und z.B. auch die Bildzeitung UND ER SELBER) wohl zu MIR sagen würde(n), wenn ich eine 5€-Quittung für erhaltene 2,50€ herausrücke. Und dass die werten niederländischen Versender da sowohl Versicherungs- als auch Steuerbetrug machen – und JEDER deren Käufer auch, wenn er so eine Quittung (wo auch immer) einreicht… *pfeif*

        Völliges Erstaunen setzte ein, als ich erklärte, dass seine eigene Krankenkasse ihn dann in Zukunft wohl ZWINGEN werde, auch Akut-Medis im Versand zu bestellen – oder er zahlt das 3fache. Und dass das in den USA schon längst so sei. Blanker Unglauben. Ich meinte dann, dass das einfach so wird wie bei Autoversicherungen: Teure -> ich such mir die Werkstatt selber. Billige -> mir wird die Werkstatt vorgeschrieben. So einfach.

        Die Frage, ob er dann in eine besonders teure Krankenversicherung wechseln wollte, um seine Akut-Medis noch in der VorOrtApotheke holen zu können, ließ ich mal offen im Raum schweben…

        Dann habe ich das nochmals an Tante-Emma-Laden-Beispielen er- und geklärt. Und dann kam der Hammer: Mein Enkelkind ist selbstständiger Bäcker. Dem macht die Ketten-Konkurrenz SCHWER zu schaffen. Kaum leben kann der von seiner Selbstständigkeit! Und Lerneffekt bei der Verwandschaft? Nada, zero, nichts! *seufz*

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      2. Meine (engere) Verwandschaft ist – zum Glück – noch nicht mal auf die Idee gekommen ihre Medikamente beim Versandhandel zu bestellen. Allerdings ist das nicht mein Verdienst. Die trauen einfach dem Versandhandel so was Wichtiges wie Medikamente nicht zu… Ganz von Allein.

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