Bloß keine CHEMIE! Teil 2

Auf dem guten Blog Die Erde ist keine Scheibe ging es im letzten Artikel auch um diese esoterisch-romantische Naturverklärung. Alles natürliche ist gut und harmlos und die Chemie ist schlecht.
Ein erneutes Beispiel für diese Unwissenheit über Natur und Chemie habe ich auch in einer Diskussion auf Chefkoch gelesen. Da ging es um Zitronensäure. Es begann harmlos mit der Frage, wo man denn vielleicht etwas günstiger als in der Apotheke reine, Lebensmittel taugliche Zitronensäure bekommt. Warum könne man denn nicht einfach die billige Zitronensäure nehmen, die bei den Putzmitteln steht? Auf dieser steht allerdings groß und deutlich, daß sie nicht für die Herstellung von Lebensmittel geeignet sei.
Eine Erklärung dafür war, daß diese Zitronensäure durchaus auf einem Band abgefüllt worden sein könnte, auf dem vorher eben Scheuerpulver o.ä. abgefüllt wurde.
Außerdem hätte die Schreiberin gelernt, daß diese Zitronensäure aus gentechnisch veränderten Pilzen gewonnen wird. Und schloß messerscharf, daß es doch viel besser war, daß sie ihren Holundersirup mit echten Zitronen gemacht hat.
Daß die Zitronen, die sie verwendet hat vielleicht mit Spitzmitteln behandelt waren, oder schon Schimmelsporen auf sich trugen, kam ihr nicht in den Sinn.
Die Krönung allerdings war dann die Aussage (einer anderen Foristin), daß diese künstliche Zitronensäure ja ganz schlimm wäre, daß schon massenhaft Menschen allergisch drauf sind und daß sie bei Kindern die Zähne kaputt macht.
Allergisch auf Zitronensäure kann man gar nicht sein, sie ist fester Bestandteil unserer Energieversorgung (Zitronensäurezyklus).
Die Zahnschäden (übrigens nicht nur bei Kindern) werden durch jede Säure versursacht, besonders in Verbindung mit Zucker. Wo ist beides drin: richtig geraten! Zitronenlimonade und andere Limos, oder in sauren Drops, Gummibärchen etc. (In Cola ist z.B. Phosphorsäure drin, was die Limo so sauer wie reinen Zitronensaft macht! Deswegen muß da so viel Zucker rein.)
Zum Glück war bei dieser Diskussion auch eine dabei, der etwas mehr wußte, als man bei Galileo und auf der Facebook-Seite von Esoterik-Karin „lernt“, die dann zumindest das mit der Allergie klarstellte.

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3 Gedanken zu “Bloß keine CHEMIE! Teil 2

  1. Mein Standard-Kommentar zur „gesunden“ Natur ist immer „wenn alles in der Natur unbedenklich wäre, würden wir täglich Tollkirschentee trinken“. Wenn mein Gegenüber Tollkirschen nicht kennen sollte, erzähle ich ihm von meinem Cousin, den ich nie kennenlernen konnte. Er ist im Alter von 2 Jahren am Waldrand ausgebüxt und hat Tollkirschen gegessen, das hat er nicht überlebt.

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  2. Wenn Natur so gesund ist, einfach mal lecker Bärlauch sammeln, und dabei auch Herbstzeitlose und Maiglöckchen mit dazu ins Bastkörbchen, denn die sehen schließlich so ähnlich aus und sind rein pflanzlich!

    Auch gut sind überlagerte Fleischkonserven – kann man 1A gegen Falten, Migräne und Hyperhydriose benutzen, hat der Neurologe meiner Wahl versichert. Die Natur ist SO GUT zu uns!

    Ach ja, und wer seine Leber rein natürlich sanieren will, dem seien Knollenblätterpilze ans Herz und auf den Teller gelegt. Da die nicht speziell gezüchtet werden, sind die bestimmt bio-ökologisch im Wald gewachsen, ganz ohne Schädlingsschutzmittel und chemischer Düngung, und deshalb ganz besonders gesund…

    Achtung! Dieser Kommentar enthält Ironie. Des weiteren enthält dieser Kommentar nicht nur potentiell tötliche Pflanzen-, Pilz- und Bakteriengifte, bei denen ich von eigenmächtigen und unwissenden Selbstversuchen dringenst abrate!

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