Ohne Rezept Folge 142

Frau L., eine langjährige Kundin bei uns, kommt am Mittwoch Nachmittag zu uns und erklärt, daß ihre Enkelin die Pille braucht, aber kein Rezept hat. Die Frauenärztin hätte schon zu. Die Enkelin hatte auch eine Kundenkarte bei uns, und so war ich vorerst einmal nicht gänzlich unwillig, dieser Bitte nachzukommen.
Aber dann mußte ich feststellen, daß die Enkelin ihre Pille schon seit mehrern Monaten (deutlich mehr als sechs auf jeden Fall) die Pille nicht mehr bei uns geholt hat. Und dann kam dazu, daß ich aus dem Gespräch erfuhr, daß sie die Großmutter quasi „vorgeschickt“ hat (vermutlich mit den Worten, die kennen Dich doch schon so lange und werden einer alten Kundin nichts abschlagen). Da muß ich gestehen, daß ich dann doch ärgerlich wurde.
Als nächstes kommt raus, daß die Enkelin grade erst zur Arbeit gefahren ist – sie hätte also den Morgen schon Zeit gehabt zum Arzt zu gehen – erst nachts um drei wieder heim kommt und auch vorher ihre Großmutter nicht mehr sieht. Also ihre Pille vermutlich sowieso erst am nächsten Morgen einnehmen könnte. Und selbst wenn die Großmutter ihren Hausschlüssel hätte und ihr die Pille in die Wohnung legen könnte: vor drei Uhr nachts kann sie sie nicht nehmen. Und wird das vermutlich auch gar nicht.
Da stand also mein „Nein, ich gebe das Medikament nicht ohne Rezept ab“ fest.
Und natürlich kam das Mädel am nächsten Morgen mit Rezept in die Apotheke. Ok, konnte sie dann eben nicht so ausschlafen, wie sie gerne hätte, aber das ist ja nun kein Argument für mich, mich illegal zu verhalten. Also, geht doch!
Aber ich fand es unmöglich von ihr, die Großmutter vorzuschicken, weil sie es selber  verbaselt hat, rechtzeitig zum Arzt zu gehen – es ist ja nicht so, als würde man es bei der Pille nicht merken, daß sie zu Ende geht.
Die Großmutter war sehr enttäuscht von mir – ich wäre „unfelxibel“ und als ich erwiderte, daß ich mich strafbar mache, wischte sie das nur mit einem „Das glaube ich nicht.“ beiseite. (Was meine Bereitschaft die Pille mitzugeben gleich ganz zu nichte macht.)
Ich wünschte es gäbe einen offiziellen Flyer der Kammer, in dem kurz und knapp in den deutlichsten Worten erklärt wird, das es illegal ist, verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne Rezept abzugeben, mit offiziellem Kammer-Logo und unterschrieben vom Kammerjustiziar. Vielleicht glauben sie es dann.

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2 Gedanken zu “Ohne Rezept Folge 142

  1. Nein, manche Leute werden das auch dann nicht glauben. Wer sich für die Erdachse hält und so…..

    Ich erlebe das ja in meiner eigenen Familie, wo gemeckert wird, weil die blöde Apotheke…..nun les ich ja hier mit, und weiß, das ihr euch strafbar macht, wenn ihr Sachen ohne Rezept rausgebt.
    Meine (zugegeben sarkastische Frage) wieso man denn kein Rezept bei einem verschreibungspflichtigen Medikament habe, wurde beschieden mit der Arzt habe Urlaub, mmh, nun kenn ich den Doc auch, und weiß, da hängt Wochen vorher ein Zettel aus, und die betreffende Person ist einmal wöchentlich zur Blutzuckerkontrolle dort. Ich ließ mich hinreißen zu der Frage, wer denn da nun blöde sei.
    Die klare Aussage, das die Apotheke sich strafbar macht, wenn sie das Medikament gibt, prallte an der Person ab.

    Im geschilderten Fall, kann ich genau sagen, wie es ausgegangen wär, hättest Du die Pillen via Großmutter geliefert: Du wärst dem Rezept ewig hinterhergelaufen, weil man muss ja früh aufstehen, um den Arzt zu frequentieren.
    Nun kanns ja gut sein, das die Enkeltochter zwischendrin das Zeug mal in eine anderen Apotheke geholt hat, aber wirklich, ich glaub nicht daran. Bei den meisten Ärzten reicht ja für Dauermedikationen durchaus auch mal ein Anruf, damit man sich das Rezept holen kann. Wenn allerdings die Pille zwischendurch nicht genommen wurde, dann will einen der Arzt normalerweise in der Sprechstunde sehen.

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  2. …das es illegal ist, verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne Rezept abzugeben…
    Interessiert keine Sau. Ist doch vollkommen selbstverständlich, dass die Apotheke hilft. Alles andere wäre ja wohl auch „unterlassene Hilfeleistung“! So sieht es der werte notleidende Patient. Kann ich irgendwie sogar verstehen… bloß dass mich die Patienten nicht verstehen wollen (und manche auch nicht können).

    Und wenn dann wieder mal ein Apotheker was ohne Rezept abgegeben hat, Codeintabletten für die arme Omi mit dem langjährigen dicken Husten z.B (was sie sonst ja immer vom Arzt bekommt), und irgendwas ist schief gegangen (Lungenkarzinom wurde seit Jahren nicht berücksichtigt, ist JETZT aber ins Herz gewuchert), dann berichtet die BLÖD-Zeitung in dicken Lettern, und die Regierung zieht ihre Schlüsse ob der unzuverlässigen Apotheker. Wieso, weshalb, warum? Fehlanzeige! Um es mit Shakespeares Hamlet zu sagen: „Der Rest ist Schweigen.“

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