Das darf doch nicht wahr sein!

Das schoß mir gestern Abend durch den Kopf als mich meine Mutter aus der Reha anrief und sagte, sie hätte wieder so eine allergische Reaktion auf ein Medikament das man ihr gegeben hat.Es gibt Leute, die sind allergisch auf Novaminsulfon aka Novalgin aka Metamizol. Die Tatsache, daß dieses Medikament unter verschiedenen Namen vertrieben wird, macht es natürlich für die Betroffenen auch nicht leicht: „Ich bin allergisch auf Novalgin – Ach, das ist Metamizol, das wird ok sein…“
Diese Allergie entwickelt sich im Laufe der Zeit, wie bei Allergien üblich und die Reaktion wird auch dementsprechend immer stärker. Meine Mutter gehört zu diesen Leuten. Nach ihrer Knie-OP vor zwei JAhren hat sie es recht hochdosiert bekommen und das auch ziemlich lange. Da hat sich das entwickelt.
Als wir sie also letzte Woche in der Klinik einlieferten, war ich ja dabei und habe quasi jedem, der es wissen wollte oder meiner Meinung nach wissen mußte gesagt. Mehrmals: „Meine Mutter darf kein Novalgin bekommen.“
Diese Info war auch in ihren Unterlagen vermerkt.
Was gibt ihr die Reha?
Richtig: Novalgin.
Warum? Es ist tatsächlich für Senioren das Schmerzmittel der Wahl, und hat bei ihr auch tatsächlich die Schmerzen gelindert – aber zum Preis einer unangenehmen allergischen Reaktion. Zum Glück noch nicht wirklich richtig heftig, aber war das nötig?!?
Eine Freundin von mir, die Ärztin ist, hatte mich vor so etwas schon gewarnt. Sie meinte, daß sie es leider viel zu oft erleben mußte, daß vorne auf der Patientenakte deutlich ein Warnhinweis war, der einfach nicht beachtet wurde.
Mein Mann kommentierte den Vorfall so: „Sollen wir ihr es vielleicht doch auf die Stirn tätowieren?“
Also Leute: verlaßt Euch nicht darauf, daß ja alles in Eurer Akte steht. Sagt lieber einmal zu oft, ich vertrage XY nicht, als zu wenig. Habt Euren Allergiepaß dabei und lernt ihn auswendig. Fragt nach, was man Euch für Medikamente gibt.

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4 Gedanken zu “Das darf doch nicht wahr sein!

  1. Ich habe auch schonmal über ein Tattoo nachgedacht, auch wenn ich den Handrücken dachte 😀
    Ich bin gegen Ibuprofen und gegen ASS allergisch. Außerdem auf irgendetwas was gemeinsam mit Diclofenac verarbeitet wird. Kapseln gehen, Infusion auch, Tabletten nicht. Dass man bei der Aufzählung durch Nachfragen nachprüft, ob ich den Unterschied zwischen Allergie und Unverträglichkeit verstehe finde ich in Ordnung. Aber wenn das geklärt ist kann es ja eigentlich nicht so schwer sein das so zu notieren dass man es auch wiederfindet. Trotzdem muss ich es meinem Hausarzt (und jedem anderen den ich vorher hatte) bei jedem Schmerzmittelrezept wieder neu erklären.

    Die Litanei bete ich auch bei jedem Krankenhausaufenthalt mehrfach herunter, trotzdem habe ich bisher bei jedem Krankenhausaufenthalt mindestens eimal Ibuprofen in die Hand gedrückt bekommen. Ist halt das, was offenbar jeder in der Kitteltasche hat.
    Grade erst wieder erlebt. Aufnahme über die Notaufnahme. Alle Allergien wahrheitsgemäß angegeben, wurden notiert. Auf der Station war das erste Schmerzmittel das mir gegeben wurde Ibuprofen. Abgelehnt, erklärt, wurde wieder notiert. Gespräch mit dem Anästhesisten. Allergie wieder angegeben. Wurde notiert, weil es angeblich noch nirgendwo vermerkt war. Nach der OP kam die Schwester und wollte das Tablettendosett haben „Wir müssen das Ibuprofen austauschen, sie haben ja jetzt erst gesagt dass sie allergisch dagegen sind, komisch dass sie das bisher vertragen haben“ Ich „Äh – ich bekomme gar kein Ibuprofen, das wüsste ich“. Blick ins Dosett „Achja, stimmt, keine Ahnung woher dieses Anweisung jetzt kam. Aber ich vermerke dann mal in ihrer Akte das sie allergisch sind“….
    Irgendwie hat das was von „und täglich grüßt das Murmeltier“

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  2. Ich bin u.a. aus diesem Grund froh, in einem Haus gelernt und gearbeitet zu haben, wo es schon eine elektronische Patientenakte gab. Das schafft zwar auch keine 100%ige Sicherheit weil der menschliche Fehler halt bleibt, aber Allergien (und Unverträglichkeiten) sind und bleiben eigentlich unübersehbar drin und werden sogar automatisch geprüft soweit ich mich erinnere.

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  3. Bei meinem letzten Krankenhausaufenthalt bekam ich zusätzlich zur Info in der Akte einen roten Zettel mit den Allergien am Fußende des Bettes. Jede Medikamentenausgabe wurde zusätzlich noch einmal mit diesem Zettel verglichen. Das fand ich beruhigend.

    Die beunruhigendste Aussage eines Arztes bei einem länger zurückliegenden Krankenhausaufenthalt fand ich „Die Allergie ist so selten, die können Sie gar nicht haben.“ Vor dem Arzt war ich dann künftig auf der Flucht.

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