Pfründe

Uns Apothekern wird ja immer gerne unterstellt, bzw. nachgesagt, wir wollten „nur unsere Pfründe verteidigen“, wenn es um Honorarerhöungen oder Versand geht.
Dieser Spruch zählt auch zu denen, die mich richtig wütend machen.
Das klingt immer so, als würden wir ohne irgendwas dafür als Gegenleistung zu erbringen, Geld scheffeln und das noch mit Billigung von „oben“. 
Dieser Ausdruck erweckt die Vorstellung von mittelalterlichen Verhältnissen, wie wenn wir  Lehnsherren wären, die die armen Bauern und Leibeigenen ausbeuten und quälen. Da denkt man an den fetten Kirchenoberen, der Wasser predigt und selber Wein trinkt. Es stellt uns als ewig Gestrige dar, die im absolutistischen Denken verhaftet und nur am eigenen Gewinn interessiert sind. Wenn dann noch das Wort „Zunft“ dazu kommt ist es die Krönung! Die „Apothekerzunft“, die keinen Fremden in die eigenen Reihen läßt, sich abschottet und keine Konkurrenz zuläßt.
Diese Situation schreit doch gradezu nach einem Robin Hood (aka DocM), der die „verkrusteten Strukturen“ zerstört!
Das wir keine Zunft sind, und auch m.W.n. nie eine waren, daß jeder in Deutschland, wenn er nur die Voraussetzungen erfüllt eine Apotheke eröffnen oder übernehmen darf, das wird fein verschwiegen.
Tatsache ist, daß wir als Kaufmann ja gar nicht frei agieren dürfen. Wir sind in ein Korsett von Vorschriften eingebunden, das beginnt mit den Räumen, der Ausstattung, der Preisgestaltung und dem Personal, und endet mit einer Liste von Artikeln, die ich gar nicht verkaufen dürfte, wenn ich wollte.
Es wurde tatsächlich schon ernsthaft darüber diskutiert, ob es zulässig ist dekorative Kosmetik (Lippenstifte, Make-up, Maskara etc.) aus den gängigen apothekenexklusiven Kosmetiklinien in der Apotheke zu verkaufen.
Zu diesen Vorschriften, die allesamt den Betrieb einer Apotheke deutlich teuerer machen, als z.B. eine Boutique, kommen dann noch Vorschriften über Öffnungszeiten bzw. der Dienstbereitschaft, was auch wieder Geld kostet.
Oder anders gesagt: der Gesetzgeber hat vor vielen Jahren einmal beschlossen, die grundsätzlich staatliche Aufgabe der Gesundheitsversorgung in die (privatwirtschaftlichen) Hände von Ärzten, Physiotherapeuten, Zahnärzten und Apothekern zu legen.
Diese Berufe wurden ermächtigt – unter Einhaltung bestimmter Vorschriften – selbstständig zu arbeiten und agieren. Und im Gegenzug für die Pflichten, die diesen Berufen per Gesetz auferlegt wurden, wurden ihnen im Gegenzug verschiedene Rechte eingeräumt. Den Apotheken z.B. das Recht, daß sie alleine Medikamente verkaufen dürfen. Diese Rechte verteidigen wir – nicht unsere „Pfründe“.
Ich bin mir sicher, daß dieser fiese Ausdruck in voller Absicht vor Jahren mal in einem Artikel so geschrieben wurde. Einmal um die – legitimen! – Beschwerden der Apotheker abzubügeln, aber auch um genau den oben genannten Eindruck zu schaffen. Ich muß nicht doch nicht ernsthaft mit den Argumenten von jemandem auseinander setzen, der doch „nur seine Pfründe“ verteidigt. Also Eigentum oder Einkommen, das diese Person sich gar nicht selber verdient hat, sondern nur auf dem Rücken anderer „erschmarotzt“ hat.

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