Man kann ja gut 3/4 aller Apotheken schließen…

…ohne jede Auswirkung. So der Kommentar zu PTAches Blogeintrag zum Apothekensterben – diese Kommentare zeigen mir immer wieder, wie wenig Ahnung die meinsten von unserem „Markt“ haben. Ganz zu schweigen von dem Fakt, daß wir jetzt schon eine geringere Apothekedichte als die Mehrzahl aller anderen EU-Staaten.
Es gibt einfach ein paar Vorurteile, die echt schwer totzukriegen sind. Ich will mal versuchen sie zu sammeln und zu erklären was daran so falsch dran ist.1. Es gibt nur ein Verteilungsproblem – in mancher Innenstadt gibt es auf 500m drei Apotheken, dafür keine im Vorort.
Warum gibt es wohl auf 500m drei Apotheken?
Erstens werden auch genau da die Ärzte sein, und deswegen sind dann auch dort die Patienten mit den Rezepten, die sie ja in einer Apotheke einlösen müssen/wollen. Beispiel Ludwigsburg: vom Bahnhof bis zum Marktplatz sind es knapp 900m, auf dieser Strecke gibt es 7 Apotheken – und circa 25 Arztpraxen mit teilweise 5-6 Ärzten! Das macht im Schnitt 15 Ärzte pro Apotheke. Die nächste Apotheke ist dann – welch ein Wunder! – im Einkaufszentrum an das – man höre und staune – ein Ärztehaus angeschlossen ist.
Dann ist es vermutlich die Gegend in der die Bewohner dieses Ortes einkaufen gehen, es gibt dort also Kunden (kaufwillige). Ich finde prinzipiell wenig erfolgreiche Ladengeschäfte in reinen Wohn- oder Industriegebieten. Meistens ballen sich doch auch im Vorort die Geschäfte an einer Stelle, und wenn der dickste Kundenbringer (i.d.R. der Supermarkt) dicht macht, dann sterben ganz schnell alle anderen auch. Deswegen ist es ja so ein Weltuntergang, wenn der EDEKA an der Ecke zu macht.
Im Vorort/Stadtrandgebiet hat es keinen Arzt mehr – die sind nämlich alle aus ihren alten unattrakiven  und unpraktischen Ursprünglich-als-Wohnung-gebauen-Praxen in moderne Praxiszentren, mit vernünftigen und allen Vorschriften entsprechenden Räume, Aufzug etc. umgezogen. Damit gibt es im Vorort auch nur sehr wenig Patienten mit Rezepten, und der GKV-Umsatz macht immer noch 70-80% des Gesamtumsatzes einer Apotheke aus.

Fazit: Es macht einfach Sinn, daß die Apotheken dort sind, wo ihre Kunden sind.

Mein nächstes Thema wird dann:
2. Weniger Apotheken können mehr Kunden versorgen haben damit einen größern Umsatz und deswegen kann man die Vergütung pro Packung verringern, ohne, daß der Gewinn sinkt.

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Ein Gedanke zu “Man kann ja gut 3/4 aller Apotheken schließen…

  1. Das Problem ist: Das alles wurde schon tausend mal erklärt. Immer wieder an den unterschiedlichsten Stellen. Das wird die „ewigen Nachplapperer“ aber nicht kümmern – denn warum sollte ich mich, wenn ich schon meine Meinung habe, von Fakten verwirren lassen? Oder gar mein Hirn mit logischem Nachdenken bemühen? Es sind die selben Leute, die meinen, Umsatz wäre Rohgewinn (wie man wunderbar bei MocDorris anschauen kann: seit 15 Jahren riesige Umsätze und kein Jahr auch nur einen Cent Gewinn). Auch brauche ich für mehr Umsatz nicht nur mehr Personal, ich brauche auch mehr Technik und mehr Ladenfläche und mehr Kassen usw. (Der Supermarkt 1km weiter hat auch eine einzelne Registrierkasse mit Einfinger-Adleraugesuch-Bedienung zum Eintippen der Preise wie dazumal Tante Emma in ihrem 60m²-Laden.) Das dies dann wiederum Investitionen erfordert, die bei der dann geringeren Marge – bei gleichem Qualitätsnieveau – aber nicht wieder herein zu holen sind, steht auf noch extra Blättern.

    Das ein deutsches Einzelhandelsunternehmen in Form einer „e.K.“, „oHG“ oder „GbR“ finanzamtstechnisch nicht im Negativgewinn arbeiten kann und darf wie z.B. eine AG (ausländischer Versender) ist den liebgewonnenen Liberalisierern übrigends auch nicht zu erklären, egal wie oft man das versucht.

    Wer allerdings all solche Argumente gar nicht hören will, weil er sich zwischen seinen Meinungsäußerungen die Ohren zuhält und „lalala“ singt, dem kann man nix erklären – egal wie sehr man sich bemüht.

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