Das soll die Zukunft sein

Wenn es nach dem Spitzenverband der GKV geht, dann wird die Zukunft der Apotheken so aussehen.
Sämtliche Regularien, die zumindest nach meiner Meinung dem Schutz der Patienden und übrigens auch der GKV dienen, sollen abgeschafft werden und der „freie“ Wettbewerb soll herrschen.
Weg mit dem alten Zopf des Fremd- und Mehrbesitzverbots!
Jeder soll Apotheken und Apothekenketten betreiben dürfen. Von Apothekergenossenschaften über Holdinggesellschaften (Krankenkassen??) bis hin zur Mafia. Jeder darf ran und eine Apotheke aufmachen. Und selbstverständlich werden diese non-profit Unternehmen Apotheken in genau den Gebieten eröffnen, wo es keine Ärzte gibt und nur wenige Einwohner. Wie gut das läuft sieht man in Schweden.
Weg mit dem Einheitspreisen von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln!
Wer bietet den höchsten Rabatt? Darf es noch zwei Euro weniger sein? Wie die Rabatte zustande kommen, interessiert dann niemanden mehr. Bis es mal auffällt, daß eben nicht nur ein paar schwarze Schafe besch******, was das Zeug hält, sondern daß der Betrug dann systematisch abläuft. Da wird dann Ware aus dubiosesten Quellen eingekauft, Angestellte schlecht bezahlt und getriezt (siehe GSL und deren Geschäftsgebaren), Vorschriften zur Sicherheit nicht eingehalten etc. pp.
Oder ein Arzneimittel kostet eben doch zehn Euro mehr? Tja, wir sind die einzige Apotheke im Umkreis von fünfzig Kilometern und Sie haben hier und jetzt starke Schmerzen und der Selektivpartner ihrer Kasse liefert erst übermorgen? Wie? Sie mußten schon in der Klinik die Behandlung selber zahlen, weil Ihre Kasse mit denen auch keinen Vertrag hatte? Nicht mein Problem, ich bin nur dem Shareholdervalue verpflichtet.
Spätestens, wenn die kranken Kassen dann aber mit einer Firma wie der Metrogruppe über Vergütung der Leistungen verhandelt, werden sie sich wahrscheinlich wehmütig an die braven Apotheker erinnern, denen man ja allerlei gratis Leistungen abverlangen konnte.
Dann wird auch ganz schnell Schluß sein mit so antiquierten Dingen wie Kontrahierungszwang, Rezepturen, BTM-Dokumentation für 2,91€. Von Retaxationen mal ganz zu schweigen. Das Ketten Management wird selbstverständlich eine eigene Retaxationsstelle analog zu den Firmen die für die kranken Kassen arbeiten einrichten. Und dann wird jede ungerechtfertigte Retax mit einer Strafe belegt. Und gerechtfertigte werden vermutlich vom Gehalt des verantwortlichen Apothekers oder PTA abgezogen. Die Kette wird jedenfalls sicher nicht damit belastet.
Oh schöne Neue Welt!  – Herr, schmeiß Hirn ra!

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3 Gedanken zu “Das soll die Zukunft sein

  1. Ja, wir wollen alle unbedingt Zustände wie in den USA. Das wird toll, wenn dann (so wie von Florida nach Cannada) Busunternehmen Rentnerreisen anbieten zu ihrem Hausarzt in Konstanz und zur Rezepteinlösung in die Schweiz. Weiß doch jeder, wie billig die Arzneimittel in der Schweiz sind,,,

    Ich sehe es manchmal in der Zwischenzeit pragmatisch. So wie mich an manch seltenen Tagen die Patienten anpflaumen – begrüße ich diese Entwicklung an diesen Tagen. Denn – das ist sicher – bin ich Kettenangestellter löse ich KEINE Probleme mehr, denn dafür werde ich nicht bezahlt. Arztunterschrift fehlt? Pech gehabt. Kein Aut-Idem-Kreuz? NIcht mehr mein Problem. Wie, der Arzt ist in Urlaub und der Vertretungsarzt 50km weit weg? Das ist sehr bedauerlich…der Nächste bitte!

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    1. Dass Kettenangestellte keine Probleme lösen, habe ich schon in der Linda-Apotheke erlebt. Zum Glück gibt es mindestens vier weitere Apotheken, die für mich ähnlich leicht zu erreichen sind. Aber was, wenn die einmal nicht mehr sind oder von neuen Ketten übernommen werden?
      Und die Reisen zum Arzt sind doch schon Realität. Ich rege mich auf, dass Kassenpatienten hier zu lang auf einen Facharztternmin warten müssen. Dann kommt der Selbstzahler aus der übernächsten Sstadt, weil es dort noch schlimmer ist.

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      1. Linda-Apotheken sind keine Ketten Apotheken, das was Du erlebt hast scheint eher ein Einzelfall zu sein. Das „Linda“ Konzept ist eher eine Art Franchising oder Kooperation. Es wird von einem Großhandel (afaik ist das Anzag, bzw. das was mal Anzag war) organisiert, der zentral die Werbung, Flyer mit Angeboten etc. macht. Das erspart den Apotheken viel Arbeit und auch Geld. Aber jede Linda-Aotheke ist immer noch eine normales Inhabergeführte Einzelgeschäft.
        Es gibt neben dem Linda Konzept, auch das Mea Konzept vom GH Sanacorp, Gesund-Leben Apotheken von GEHE, Parmapharm und noch ein paar andere.
        Daß sowohl PTAchen, Pharmama oder auch ich und für unsere Kunden einsetzten ist nicht immer und überall bei allen Angestellten der Fall. Und auch bei uns – sein wir ehrlich – hängt es manchmal auch von der Tagesform ab, ob wir noch rumtelefonieren etc.

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