Unverschämt! Jawohl!

Das war der empörte Kommentar einer Kundin dazu, daß die Teststreifen von ihrem Blutzuckergerät verfallen.
Die volle Geschichte klingt dann etwas anders:
DieKundin kommt zu mir mit ihrem Blutzuckermeßgerät und sagt, daß dies kaputt wäre. Ich nehme das Gerät (immerhin mal eins, das nicht blutverschmiert ist – thank god for small mercies) und checke wie immer erstmal ob die Batterie ok ist. Da ist kein Problem festzustellen. Dann Schritt zwei: einen Teststreifen einführen und sehen, was passiert – genau das, was passieren soll, der Code wird angezeigt und dann die Anzeige, daß ich das Blut auftragen soll.
Also am Gerät liegt es schon mal nicht, wenn es nicht messen will.
Also frage ich: welche Fehlermeldung kommt denn? – „Error – weiß nicht“
Jetzt kann es eigentlich nur noch an einem liegen: wie alt sind die Teststreifen? „…äh – keine Ahnung, ich messe nur sehr unregelmäßig.“
Und dann begann sie über die böse „Pharmaindusrite“ zu schimpfen, die sie zwingt ständig neue Teststreifen zu kaufen. Als ich sie dann freundlich darauf hin wies, daß selbst wenn sie nur einmal pro Woche misst, die Packung mit fünfzig Streifen sehr wohl lange genug hält.
Das wollte sie nicht wirklich hören….

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Lass mich halt ausreden….

Kunde kommt mit Rezept aus der Klinik – einem Entlass-Rezept – ausgestellt am 25.12.18 über Provox Gr.6 – aber Hurra! es ist immerhin eine Diagnose drauf. Trotzdem habe ich einige Probleme mit dem Rezept und sage es auch laut.
Erstens: heute ist der 9.1.19. – Entlass-Rezepte sind nur drei Tage gültig. „Aber er wurde auch erst heute entlassen.“ – Das mag sein, aber ausgestellt wurde das Rezept nun mal am 25.12.18.
Zweitens: wenn ich Provox eingebe bekomme ich in der Lauer-Taxe gleich mal fünfzig Treffer – bei Zusatzangabe „6“ immerhin nur noch zehn.
Als ich an diesem Punkt bin, reißt mir der Kunde das Rezept aus der Hand und rennt weg – zum Hausarzt, der ein neues Rezept ausstellt, wie sich zehn Minuten später herausstellt.
Ich komme gar nicht so weit zu erklären, daß wir diesen Artikel – selbst wenn ich dann mal weiß WAS es sein soll – gar nicht bestellen können. Vermutlich dürfen wir ihn noch nicht einmal über die Kasse abrechnen.
Das kann ich dem Kunden dann erst erklären, als er mit seinem neuen Rezept wieder vor mir steht.
„Hätten Sie mir das nicht gleich sagen können?“ – „Das hätte ich, wenn Sie lange genug hier geblieben wären, um mir zuzuhören.“

Sie will ich nicht!

Die Apotheke steht voll, als ich vorkomme und ich gehe an unsere „Notkasse“, die vorne an der Tür steht. Auf dem Weg dahin sage ich dann immer den Kunden, daß sie auch mit mir kommen können. Heute erklärt mir dann doch ein Kunde: Nein, zu Ihnen geh ich nicht. …. Und das in einem reichlich unfreundlichen Ton.
Ich bin schon etwas zusammengezuckt, und denk mir: das hätte er auch freundlicher sagen können. Und ich kann mich noch nicht einmal erinnern, daß ich mit justamend diesem Kunden mal aneinander geraten wäre. ????
Ansonsten ist der Jahresanfang ziemlich so, wie das Jahresende. Wir bekommen immer noch Schokolade geschenkt – weil wir uns so viel Mühe gegeben haben ein Medikament zu besorgen.
Wir kämpfen weiterhin mit den Kranken Kassen wegen Retaxationen – der lästigste Fall: die AOK will nicht mehr die Excipial Lotion von Galderma bezahlen, sondern nur noch die um drei Euro günstigere von Bios. Diese führt unser Großhandel aber nicht, also müßten wir sie direkt bestellen, was über drei Euro Porto kostete. Jetzt müssen wir der AOK vom die Bestätigung vom Großhändler vorlegen, daß sie diese Lotion von dieser Firma nicht führen.
Wegen drei Euro…

Aber trotzdem – hilft nicht

Ärgerlich: Lieber Kunde: auch wenn Du lange und ausführlich mit dem Arzt besprochen hast, dass er zwei Packungen mit den Notfallspritzen für Dein Kind verordnen möchte und er das auch zugesagt hat, hilft es nicht viel, wenn Du in der Apotheke einen Aufstand machst, weil der Arzt eben doch nur eine Packung mit zwei Spritzen verordnet. Zwei Stück sind zwei Stück nicht zwei mal zwei….
Ebenso: Es sind 300 Tropfen in der Flasche mit Dronabinol, da kann man sich ausrechnen, wie lange man daran hat. Selbst wenn das Fläschchen zugeklebt ist – wer jeden Tag 3×6 Tropfen nimmt, sollte wissen, wann er nichts mehr hat. Dann bringt es nichts bei uns aufzuschlagen und zu verlangen, dass wir hic et nunc diese Rezeptur herstellen. Das geht nicht.

Schön: wir bekommen zur Zeit unglaublich viele Geschenke: Merci-Packungen, Lindor. Stollen, Kekse, Schokoladennikoläuse und Geld für die Kaffeekasse. Da macht Arbeiten Spaß, wenn man merkt, dass unser Einsatz anerkannt wird. 🙂
Ebenso: wir haben noch ein Zusatzmodul für unsere Rezeptprüfung, die uns noch etwas Arbeit abnimmt – jipie!

 

Wie soll ich das bezahlen?

O-Ton unser Chef heute morgen, als er die Rechnungen von zwei sehr teuren Medikamenten, die wir nicht über den Großhandel bestellen konnten sah.
Das ist eine Unsitte von bestimmten Herstellern, daß sie ihre Medikamente nicht über den normalen pharmazeutischen Großhandel ausliefern, sondern nur als Direktbestellung. Und da muss der arme Apotheker die REchnung innerhalb von zehn bis vierzehn Tagen bezahlen, und nicht, wie beim Großhandel, erst, wenn das Geld von der Verrechnungsstelle da ist.
Das kann dann schon mal bedeuten, daß man am Monatsanfang ein Rezept über zwei mal Symkavi vom Patienten bekommt, der braucht das gleich am nächsten Tag (schneller geht eh nicht, da das direkt bestellt werden muß), und so hat man nicht einmal die Möglichkeit dies Medikament über den Großhandel als sog. „Dispo“ zu bestellen. Dann darf ich die Rechnung vom Hersteller am 15. des Monats bezahlen, bekomme das Geld von der Krankenkasse aber erst einen Monat später. Ich muß also zusehen, wie ist mal kurz zwölftausen Euro für einen Monat vorfinanzieren.
Das kann heute keine Apotheke mehr so locker vom Hocker.
Da bleibt einem dann nur noch die Möglichkeit, den Patienten weiterzuschicken – was wir aber wegen Kontrahierungszwang nicht dürfen – oder mit der Firma um Zahlungsaufschub zu verhandeln. Aber für diese Vorfinanzierung haben wir ja die unglaubliche Spanne von 3%, mit der das abgedeckt ist…. Also ob der Dispokredit bei meiner Bank weniger wäre.

Lieferprobleme

So langsam regen wir uns ja schon gar nicht mehr auf, bei uns stehen zur Zeit 66 Artikel auf der „Reserviert“ Liste, darunter so banale Dinge, wie Kohle-Comprette, Aspirin Complex, Wick Daymed (kann ich gut ohne leben) oder Talcid Tabletten.
Aber auch wichtige Arzneimittel, wie Impfungen: gegen Tollwut, FSME oder Menigokokken. Es wäre schon schön, wenn die zuverlässig lieferbar wären.
Apropos Impfstoff: die Verfügung ist raus, wir dürfen offiziell Grippeimpfstoff aus anderen EU-Ländern importieren – nur haben die auch nichts mehr.
ROTFL

Artikel zur EINMALIGEN Anwendung

Kanülen, Lanzetten und Katheter sind alles Dinge, die man nur einmal verwendet. Die auch nur zur einmaligen Verwendung gedacht sind. Bei Kathetern scheint niemand auf andere Gedanken zu kommen, aber bei Lanzetten und Kanülen? Gott im Himmel!
Es scheint vielen Ärzten und besonders auch Patienten nicht klar zu sein, daß auch Kanülen und Lanzetten Artikel zum einmaligen Gebrauch sind.
Heute hatte ich wieder eine Diabetikerin, die fröhlich erklärte, daß sie ihre Lanzetten nur zwei mal die Woche wechselt. Und dazu sagte, daß sie die ja selber zahlen müßte (Wer ihr den Bären aufgebunden hat?) – dabei bekommt sie die Teststreifen von der Kasse. Jetzt soll mir mal jemand erklären, wie ich Blutzucker messen soll ohne Lanzetten? Ergo MUSS die Kasse auch die bezahlen. Das wäre ja wie wenn eine Flugzeugbesatzung das Kerosin selber zahlen müsste, weil nur das Flugzeug von Lufthansa bezahlt wird….
Ich hoffe inständig, daß sie in Zukunft die Nadel wenigsten (!!) täglich wechselt….

Alle Jahre Wieder

Kalender….
Haben Sie Kalender? Von Menschen, die man noch nie vorher gesehen hat und die man nie wieder sieht – bis zum nächsten Dezember…
Kann ich (bitte) beide haben? – oder gleich: Geben Sie mir beide, und noch einen für XY.

Ansonsten: auch „alle Jahre wieder“ sollen wir wieder mal eine neue Aussendienstlerin für Vichy bekommen. Ich weiß schon, warum ich diese Firma nicht leiden kann. – Ganz abgesehen davon, daß ich die Kosmetik nicht besonders gut finde. Jetzt hatten wir eine sehr nette Dame, die sich auch wirklich ins Zeug gelegt hat, da kommt wieder ein Wechsel. Inzwischen in vier Jahren der vierte Vertreter. Wie das effizient sein soll erschließt sich mir nicht.

Grippeschutzimpfung – wer hat noch was?

Wir jedenfalls nichts mehr. Dieses Trauerspiel hatte mehrer Akte und es lief schief, was schiefgehen konnte. Erst wussten wir nicht, ob und welche Rabattverträge es für die Impfung gibt, und haben deswegen nichts vorbestellt. Die Ärzte waren von ihrer KV angehalten worden nur die Hälfte vom Vorjahresbedarf vorzubestellen und als wir dann endlich wussten, es gibt keinen Rabttvertrag, war die Vorbestellzeit bei den Firmen um.

Es mag ja schon sein, daß es in bestimmten Ecken von Deutschland noch genug Impfstoff gibt, aber bei uns jedenfalls ist AFAIK Ende. Naja, fördern wir mal wieder das sozialverträgliche Frühableben…..

Happy end

Diesen Monat haben wir eine Retax über 5000,-€ bekommen – Humira sei falsch abgegeben worden, ein Reimport (wie verordnet) statt des rabattierten Originals.
Ach du Sch*****!!!
Es ist (zum Glück) nicht uns passiert, sondern einer Filiale von uns. Wir haben uns alle gefragt, wie das überhaupt passieren konnte. Wenn man den Vorgang mal durchspielt, dann muß man wirklich mit Blind- und Blödheit geschlagen sein, um diesen Bock zu schießen.
Meine Kollegin, die die „schöne“ Pflicht hat sich um diese Retaxationen zu kümmern, ist schier gar ausgerastet und hat echt Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um die Retax rückgängig zu machen – ohne Erfolg.
Bei weiteren Nachforschungen stellte sich allerdings heraus, daß tatsächlich doch das Original abgegeben wurde, nur wurde das Rezept nicht umgedruckt.
Jetzt stehen die Chancen doch ganz gut, daß wir die 5000,-€ doch noch bekommen. Uff!