Happy end

Diesen Monat haben wir eine Retax über 5000,-€ bekommen – Humira sei falsch abgegeben worden, ein Reimport (wie verordnet) statt des rabattierten Originals.
Ach du Sch*****!!!
Es ist (zum Glück) nicht uns passiert, sondern einer Filiale von uns. Wir haben uns alle gefragt, wie das überhaupt passieren konnte. Wenn man den Vorgang mal durchspielt, dann muß man wirklich mit Blind- und Blödheit geschlagen sein, um diesen Bock zu schießen.
Meine Kollegin, die die „schöne“ Pflicht hat sich um diese Retaxationen zu kümmern, ist schier gar ausgerastet und hat echt Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um die Retax rückgängig zu machen – ohne Erfolg.
Bei weiteren Nachforschungen stellte sich allerdings heraus, daß tatsächlich doch das Original abgegeben wurde, nur wurde das Rezept nicht umgedruckt.
Jetzt stehen die Chancen doch ganz gut, daß wir die 5000,-€ doch noch bekommen. Uff!

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Echt jetzt?

Rezept über Valsartan 160mg N3 und handschriftlich vom Arzt in Klammern ergänzt: Ohne Verunreinigungen!

Lieber Arzt – Danke für diesen Hinweis, jetzt hätte ich doch sonst glatt eine der zurückgerufgenen Chargen abgegebn….

Ballaststoffe – nur Ballast?

Natürlich nicht – wenn ich schon so frage!
Aber WIE wichtig Ballststoffe sind, stellen wir erst so langsam fest.
Jeder weiß, daß Ballststoffe wichtig für eine geregelte und gute Verdauung. Auch daß sie Gallensäuren binden können und durch eine vermehrte Ausscheidung von Gallensäuren und daraus folgend eine verstärkte Neubildung den Cholesterinspiegel senken können, wird sogar inzwischen therapeutisch genutzt.
Aber habt ihr schon mal gehört, daß Ballaststoffe Demenz und vielleicht sogar Alzheimer vorbeugen könnten?
Es sind hier natürlich nicht die Ballststoffe alleine, die das machen. Es geht über bestimmte Darmbakterien, die Ballststoffe futtern und kurzkettige Fettsäuren daraus machen. Butyrat ist eine davon. Und Butyrat wiederum ist Futter für unsere Darmepitelzellen und befähigt diese die sogenannten „tight junctions“ zu bilden. Diese „tight junctions“ halten die Epitelzellen fest zusammen und verhindern einen unkontrollierten Einstrom von allem möglichen aus dem Darmlumen in den Blutkreislauf. Wenn diese tight junctions nicht richtig funktionieren haben wir das Krankheitsbild des sogenannten „leaky gut“.
Was hat das jetzt mit Demenz zu tun?
Diese tight junctions gibt es auch im Hirn und das Butyrat, das von den guten Darmbakterien gebildet wird, wird auch über das Blut ins Hirn transportiert und tut dort das selbe wie im Darm. Es dichtet die Blut-HirnSchranke ab.
Also denkt bei der nächsten Möhre, die ihr knabbert daran, daß ihr eben auch Demenzvorsorge treibt!

Wie bekomme ich im Notfall meine Medikamente?

Die Situation kommt schon immer wieder mal vor. Im Notdienst ruft jemand an und fragt ob wir XY dahaben und „können Sie mir das dann liefern?“

Nein, liefern geht nicht, ich bin alleine und wir haben keinen Boten, wie ein Pizzaservice, der ständig durch das Städtchen fährt. Was in diesem Fall – also der Patient hat niemand, den er/sie schicken kann – die einzige Möglichkeit ist, ist sich ein Taxi zu rufen, es zu mir zu schicken und sich vom Taxi die Medis bringen zu lassen. Wenn man ein Rezept hat, dann muss das Taxi eben erst zu mir nach Hause, dann in die Apotheke und dann wieder zu mir.

“Und wer zahlt das?“ Nun nicht die Apotheke…..

Wolf im Schafspelz?

Oder was PPIs alles kaputt machen. PPI = Protonen-Pumpen-Inhibitoren, umgangssprachlich auch als als „Magenschutz“ bekannt. PPIs hemmen die Magensäureproduktion, was zu einer Erhöhung des pH-Werts im Magen (und im Folgenden dann auch im Darm!) führt. Das schützt die Magenschleimhaut und kann Magengeschwüren vorbeugen und hilft natürlich auch bei Sodbrennen.
PPIs werden inzwischen routinemäßig zu jeden Schmerzmittel verordnet – egal ob es sich nun um Diclofenac, Ibuprofen oder Novaminsulfon handelt und egal ob der Patient einen empfindlichen oder vorbelasteten Magen hat oder nicht.
Und was – meiner Meinung nach – noch viel schlimmer ist: sie werden inzwischen über JAHRE gegeben.
Ich fürchte, daß uns da noch ganz massive Folgeschäden ins Haus stehen werden.
Schon recht bekannte Folge einer langfristigen Einnahme von PPIs sind einmal ein Vitamin B12 Mangel – denn durch die fehlende Magensäure fehlt der „intrinsic-Factor“, der notwendig für die Aufnahme von B12 im Darm ist.
Ein weiteres Problem sind die Folgen für unseren Säure-Basen-Haushalt. Die Folgen hier werden z.B. vermehrte Osteoporosefälle sein.
Über diese Folgeschaden hatte ich schon einmal geschrieben.
Aber ein bisher völlig unbeachtetes Problem aus der dauerhaften Gabe von PPIs ist die Veränderung des pH-Werts in unserem Darm. Der Mageninhalt kommt nicht mehr mit einem pH-Wert von circa 1 aus dem Magen, sondern einem deutlich höheren, was im weiteren Verlauf zu höheren pH-Werten im Dünndarm und dann auch im Dickdarm führt. Dazu kommen Fremdkeime, die nicht wie üblich von der Magensäure abgetötet wurden, sondern noch lebens- und vermehrungsfähig sind. (Von unzureichend denaturierten Eiweißen will ich erst gar nicht anfangen!)
Es gibt tatsächlich Studien, die belegen, daß die langfristige Einnahme von PPIs (über sechs Monate hinaus) die Mortalitätsrate um 40% !! steigen läßt.
PPIs sind ohne jeden Zweifel tolle Arzneimittel, die vielen Menschen sehr geholfen haben, aber das Verordnungsverhalten der Ärzte, was sie angeht, ist m.E. verantwortungslos und falsch.

Notdienst-Nachlese

Wieder mal diverse Anrufe, ob wir Notdienst hätten – als ich dann so um halb drei Nachts etwas unwirsch wurde, war die Antwort: Aber im Internet steht, daß sie geschlossen haben. Ja natürlich haben wir geschlossen – wir haben Notdienst.
Gehirn einschalten?
Ansonsten war es ein erstaunlich „normaler“ Notdienst. Ich hatte sogar drei oder vier Kunden, die mir das Wechselgeld gar nicht abgenommen haben, sondern gleich sagten: das ist für Sie. Sehr nett!

Die Folgen der Sparpolitik

Jetzt merken auch wir die Apothekenschließungen der letzten Jahre. Unser Notdienstkreis mußte um zwei Gruppen verkleinert werden. Nur so ist gewährleistet, daß weitere Apothekenschließungen aufgefangen werden können.
Das bedeutet für uns, daß wir im nächsten Jahr alle zwanzig Tage mit Notdienst dran sind – bisher waren es alle 22 Tage. Zusätzlich zu unserer normalen Arbeitszeit und da sich unser Chef auch noch aus den Diensten ausklinkt im nächsten Jahr, heißt das für meine Kollegin und mich, daß wir 2018 alle sechs Wochen in der Apotheke übernachten dürfen.
Laut der neuesten Zahlen der ABDA haben bisher dieses Jahr 202 Apotheken für immer zugemacht und nur 45 haben neu eröffnet – macht ein Minus von 157.
Diese Zahl wird zum Jahresende sich noch mal deutlich ansteigen. Wenn das in diesem Tempo weiter geht – und es gibt im Moment keinen Grund, warum sich die Entwicklung umdrehen sollte – dann werden wir in zwei Jahren unter 19.000 Apotheken haben.

Helfen können

Das ist einer der Aspekte unseres Berufes, der natürlich besonders befriedigend ist. Aber wir helfen oft nicht nur bei pharmazeutischen oder medizinischen Notfällen.
Es kommen auch immer wieder Leute zu uns mit gänzlich un-medizinischen Anliegen. Bastler, die einen Schlauch brauchen, oder einen Schlauch und eine große Spritze um Öl abzuziehen. Oder Köche, die für etwas exotischere Rezepte z.B. Glucose Sirup oder Rosenöl suchen.
So hatte ich letztens einen Herrn, der mit einem Stückchen Schlauch und einer Spritze kam und fragte, wie er den Schlauch auf der Spritze befestigen könnte. Nach etwas Hin und Her mit Kanüle, was nicht tat, kam mir der Gedanke den Schlauch vorsichtig mit meinem Taschenmesser zu weiten (ich habe immer ein kleines Taschenmesser an meinem Schlüssel – schon allein um mit der Schere die Kartons der Umschau aufzuschneiden). Und was soll ich sagen: das hat geklappt und der Bastler zog glücklich von dannen. Nachdem er einen kleinen Obolus für die Kaffeekasse dagelassen hat.

Zurück

So, ich bin wieder da – nach zwei anstrengenden Monaten, die mich sowohl psychisch wie physisch ziemlich mitgenommen haben, kehrt endlich wieder Normalität in meinem Privateleben ein. Allerdings einen neue Normalität, an die ich mich auch erst noch etwas gewöhnen muß.
Aber die Apotheke ist wie immer. Das Wort „Bitte“ scheint inzwischen auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Worte gelandet zu sein. Von über zwanzig oder dreißig Kunden, die in den letzten Tagen die Umschau haben wollten, haben grade mal zwei „bitte“ gesagt. Der Rest sagt:  „Ich bekomme nur die Umschau“ oder „Ich kriege noch die Zeitungen – alle und haben sie kein extra Rätselheft?“
Besonders liebe ich die, die nur einstürmen, sich an die Seite vordrängen und dann – während ich noch mit einem Kunden beschäftigt bin – losqäken: „Ich tät nur schnell die Zeitung haben wollen.“ Oder schon fünf vor acht unruhig trippelnd vor der Tür stehen, so daß ich denke: Oh, das ist wohl ein Notfall! – und dann sobald die Tür auf ist reinrennen, schnurstracks die Ecke mit den Zeitungen ansteuern und sich wohlmöglich selber bedienen.
Es gibt ganz offensichtlich das hoch-akute Apotheken-Umschau-Mangel-Syndrom – zum Glück relativ leicht zu kurieren, aber eine echte, schwerwiegende Erkrankung, die sofortiges Eingreifen erfordert. Ich glaube aber nicht, daß es ansteckend ist – oder wir sind in der Apotheke schon immun dagegen.
Immerhin: BEDANKEN tun sich dann doch 99% der Leute…
Aber echt: wieso ist es so schwer den Satz „Könnte ich bitte die Umschau bekommen?“ zu sagen?
Ansonsten sind bei uns noch Sommerferien und das haben wir grade in den letzen zwei Wochen deutlich gemerkt – da aber auch zwei Kolleginnen (Vollzeitkräfte) in Urlaub sind, gleicht es sich wieder aus, denn weniger Arbeit wird nun auf weniger Schultern verteilt und das Endergebnis ist dann doch immer noch genug zu tun. Und wenn wir wirklich mal „arbeitslos“ sind, dann freuen wir uns auch darüber einfach mal miteinander schwätzen zu können – schließlich will ich ja auch wissen, was sich so bei meinen Kolleginnen tut. Und ab und zu essen wir auch mal gemeinsam ein Eis – viellecht ja auch heute nachmittag.

Etwas SEHR schwäbisch

Manchmal führt der prinzipiell gute Wille zum Sparen zu wahrlich aberwitzigen Dingen.
So erklärte mir heute eine Kundin, daß sie Valsartan 40mg einnehmen müsste, aber immer – weil es ja so viel günstiger kommt – 160mg verordnet bekommt und die Tabletten dann viertelt. Halbieren ist bei der Sorte, die sie hat ja noch vorgesehen, aber das war es dann auch…..
Der zweite Brüller war die Patientin, der die Augenärztin gesagt hatte, daß sie die Einzeldosis-Augentropfen auch zwei bis drei Tage lang verwenden könnte! Ich lehne mich ja schon sehr weit aus dem Fenster, wenn ich sage, daß man diese Augentropfen in den Einzeldosen 12 Stunden lang verwenden könne – aber zwei TAGE???? Ich wette, daß wenn dann etwas passiert, wird die Praxis vehement verneinen jemals so etwas gesagt zu haben…..