Notdienst-Nachlese

Wieder mal diverse Anrufe, ob wir Notdienst hätten – als ich dann so um halb drei Nachts etwas unwirsch wurde, war die Antwort: Aber im Internet steht, daß sie geschlossen haben. Ja natürlich haben wir geschlossen – wir haben Notdienst.
Gehirn einschalten?
Ansonsten war es ein erstaunlich „normaler“ Notdienst. Ich hatte sogar drei oder vier Kunden, die mir das Wechselgeld gar nicht abgenommen haben, sondern gleich sagten: das ist für Sie. Sehr nett!

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Die Folgen der Sparpolitik

Jetzt merken auch wir die Apothekenschließungen der letzten Jahre. Unser Notdienstkreis mußte um zwei Gruppen verkleinert werden. Nur so ist gewährleistet, daß weitere Apothekenschließungen aufgefangen werden können.
Das bedeutet für uns, daß wir im nächsten Jahr alle zwanzig Tage mit Notdienst dran sind – bisher waren es alle 22 Tage. Zusätzlich zu unserer normalen Arbeitszeit und da sich unser Chef auch noch aus den Diensten ausklinkt im nächsten Jahr, heißt das für meine Kollegin und mich, daß wir 2018 alle sechs Wochen in der Apotheke übernachten dürfen.
Laut der neuesten Zahlen der ABDA haben bisher dieses Jahr 202 Apotheken für immer zugemacht und nur 45 haben neu eröffnet – macht ein Minus von 157.
Diese Zahl wird zum Jahresende sich noch mal deutlich ansteigen. Wenn das in diesem Tempo weiter geht – und es gibt im Moment keinen Grund, warum sich die Entwicklung umdrehen sollte – dann werden wir in zwei Jahren unter 19.000 Apotheken haben.

Helfen können

Das ist einer der Aspekte unseres Berufes, der natürlich besonders befriedigend ist. Aber wir helfen oft nicht nur bei pharmazeutischen oder medizinischen Notfällen.
Es kommen auch immer wieder Leute zu uns mit gänzlich un-medizinischen Anliegen. Bastler, die einen Schlauch brauchen, oder einen Schlauch und eine große Spritze um Öl abzuziehen. Oder Köche, die für etwas exotischere Rezepte z.B. Glucose Sirup oder Rosenöl suchen.
So hatte ich letztens einen Herrn, der mit einem Stückchen Schlauch und einer Spritze kam und fragte, wie er den Schlauch auf der Spritze befestigen könnte. Nach etwas Hin und Her mit Kanüle, was nicht tat, kam mir der Gedanke den Schlauch vorsichtig mit meinem Taschenmesser zu weiten (ich habe immer ein kleines Taschenmesser an meinem Schlüssel – schon allein um mit der Schere die Kartons der Umschau aufzuschneiden). Und was soll ich sagen: das hat geklappt und der Bastler zog glücklich von dannen. Nachdem er einen kleinen Obolus für die Kaffeekasse dagelassen hat.

Zurück

So, ich bin wieder da – nach zwei anstrengenden Monaten, die mich sowohl psychisch wie physisch ziemlich mitgenommen haben, kehrt endlich wieder Normalität in meinem Privateleben ein. Allerdings einen neue Normalität, an die ich mich auch erst noch etwas gewöhnen muß.
Aber die Apotheke ist wie immer. Das Wort „Bitte“ scheint inzwischen auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Worte gelandet zu sein. Von über zwanzig oder dreißig Kunden, die in den letzten Tagen die Umschau haben wollten, haben grade mal zwei „bitte“ gesagt. Der Rest sagt:  „Ich bekomme nur die Umschau“ oder „Ich kriege noch die Zeitungen – alle und haben sie kein extra Rätselheft?“
Besonders liebe ich die, die nur einstürmen, sich an die Seite vordrängen und dann – während ich noch mit einem Kunden beschäftigt bin – losqäken: „Ich tät nur schnell die Zeitung haben wollen.“ Oder schon fünf vor acht unruhig trippelnd vor der Tür stehen, so daß ich denke: Oh, das ist wohl ein Notfall! – und dann sobald die Tür auf ist reinrennen, schnurstracks die Ecke mit den Zeitungen ansteuern und sich wohlmöglich selber bedienen.
Es gibt ganz offensichtlich das hoch-akute Apotheken-Umschau-Mangel-Syndrom – zum Glück relativ leicht zu kurieren, aber eine echte, schwerwiegende Erkrankung, die sofortiges Eingreifen erfordert. Ich glaube aber nicht, daß es ansteckend ist – oder wir sind in der Apotheke schon immun dagegen.
Immerhin: BEDANKEN tun sich dann doch 99% der Leute…
Aber echt: wieso ist es so schwer den Satz „Könnte ich bitte die Umschau bekommen?“ zu sagen?
Ansonsten sind bei uns noch Sommerferien und das haben wir grade in den letzen zwei Wochen deutlich gemerkt – da aber auch zwei Kolleginnen (Vollzeitkräfte) in Urlaub sind, gleicht es sich wieder aus, denn weniger Arbeit wird nun auf weniger Schultern verteilt und das Endergebnis ist dann doch immer noch genug zu tun. Und wenn wir wirklich mal „arbeitslos“ sind, dann freuen wir uns auch darüber einfach mal miteinander schwätzen zu können – schließlich will ich ja auch wissen, was sich so bei meinen Kolleginnen tut. Und ab und zu essen wir auch mal gemeinsam ein Eis – viellecht ja auch heute nachmittag.

Etwas SEHR schwäbisch

Manchmal führt der prinzipiell gute Wille zum Sparen zu wahrlich aberwitzigen Dingen.
So erklärte mir heute eine Kundin, daß sie Valsartan 40mg einnehmen müsste, aber immer – weil es ja so viel günstiger kommt – 160mg verordnet bekommt und die Tabletten dann viertelt. Halbieren ist bei der Sorte, die sie hat ja noch vorgesehen, aber das war es dann auch…..
Der zweite Brüller war die Patientin, der die Augenärztin gesagt hatte, daß sie die Einzeldosis-Augentropfen auch zwei bis drei Tage lang verwenden könnte! Ich lehne mich ja schon sehr weit aus dem Fenster, wenn ich sage, daß man diese Augentropfen in den Einzeldosen 12 Stunden lang verwenden könne – aber zwei TAGE???? Ich wette, daß wenn dann etwas passiert, wird die Praxis vehement verneinen jemals so etwas gesagt zu haben…..

Selen

Kennt Ihr Euren Selenspiegel? Nein – dann solltet Ihr ihn vielleicht mal messen lassen, denn Deutschland ist ein Selen-Mangel-Gebiet und Selen ist ein essentielles Spurenelement für unser Immunsystem und noch viel mehr.
Ich hatte immer noch im Kopf: Selen = giftig. Vorsicht wegen Überdosierung und so weiter.
Was ich im Kopf hatte war Selen-Methionin! Das ist die Form, in der Selen als Nahrungsergänzungsmittel angebotetn wird. Und diese Version kann sich im Körper so stark anreichern, daß es tatsächlich zu Vergiftungserscheiungen kommen kann.
Die Form, in der Selen als Arzneimittel eingesetzt wird ist das Natriumselenit. Das können wir ausscheiden, wenn es zu viel wird. Darüber hinaus wird diese Verbindung viel gezielter im Körper in die entsprechenden Proteine eingebaut, bringt also auch mehr. Die Dosis, die ohne jede Nebenwirkung vertragen wird (NOAEL = no adverse effekt level) ist 800myg/Tag, empfohlen werden 100-300myg/Tag.
Was ich jetzt allerdings nicht verstehe: warum ist eine potentiell gefährlichere Verbindung als Nahrungsergänzung zugelassen – und sagen wir doch wie es ist: viele Leute denken hier gerne „viel hilft viel“ ?

Vier Euro pro Patient

Wir haben einen Arzt um die Ecke, der neuerdings bei seinen Patienten, die im AOK-Hausarztmodel sind, die Schilddrüsentabletten umstellt auf die Rabattpartner. Das verwunderte uns – und seinen Patienen – enorm. Grade Schilddrüsentabletten gehören zu der Gruppe Arzneimittel, die man eben nicht einfach austauschen soll. Sie stehen sogar auf der Substitutionsverbotsliste!
Wir haben jetzt die Erklärung: der Arzt bekommt pro umgestellten Patient einen Bonus von vier Euro….
Hoi soit qui mal y pense.

Valsartan Rückruf

Das waren ein paar heitere Tage in der Apotheke – ich komme am Donnerstag Nachmittag in die Apotheke und hatte vormittags schon in der Fachpresse etwas gelesen. Aber eben nur, daß etwas kommt.
Tja und dann stehen da mindestens zwei Patienten mit Rezepten über Valsartan vor mir…. Ich konnte beide erst einmal auf Montag vertrösten, alle hatten noch genug Tabletten zu Hause. Weiterlesen

PräQUALifizierung

Was haben eine behinderten gerechte Toilette und Bandagen miteinander zu tun? Jeder normal denkende Mensch wird denken, nichts.
Denkste!
Mein Chef hat -etwas notgedrungen, denn wer weiß wer sonst – eine weitere Apotheke erworben und muss nun auch eine neue Präqualifizierung beantragen. Weiterlesen