PTA als Vertretung?

Das PTAchen hat auf DocCheck schwer was für diesen Beitrag abbekommen. Dabei reichen die Kommentare von konstruktiv und gut bis zu „der Troll der Woche“. Im Prinzip geht es um die Frage, ob es nicht besser wäre, wenn eine erfahrene und entsprechent weitergebildete PTA für eine begrenzte Zeit die Vertretungsbefugnis in „ihrer“ Apotheke bekommt, oder ob wir weiterhin mit „Bürostuhldekorationen“ (ein toller Begriff!) eben den Buchstaben, wenn nicht der Intention des Gesetztes folgen.
Dazu habe ich mir ein paar Gedanken gemacht.Ich finde die Frage wirklich spannend. Wie genau ist das mit der fachlichen Qualität der PTA und der approbierten Vertetung?
Klar, die Apothekerin hat 8 Semester (= vier Jahre) studiert (und das übrigens auch erst seit 1986 oder ’87) – die PTA war zwei Jahre auf der Schule. Apothekerin ein Jahr Praktikum – PTA 6 Monate.
Also hier scheint schon mal klar: in fünf Jahren müsste ich mehr gelernt haben, als in zwei einhalb.
ABER: nicht jeder Fachbereich Pharmazie bietet die selbe Qualität an Studium an. Es hängt davon ab, welcher Professor der „Leitwolf“ ist und das Institut entsprechend nach seinen Forschungsschwerpunkten ausrichtet. Ich habe z.B. in Mainz studiert, da war pharmazeutishe Chemie der Schwerpunkt, eine eigene Pharmakologie-Professur hatte das Institut damals nicht einmal. Die Pharmzie in Tübingen dagegen war schon länger in Pharmakologie stark.
Ich war sogar Student in einem der ersten Jahrgänge, in denen das achte Semester, in dem wir dann wirklich mal Pharmakologie hatten, eingeführt wurde. Als ich mit dem Studium begann war die Regelstudienzeit noch sieben Semester und – so weit ich mich erinnern kann – Pharmakologie nicht einmal Teil des Kurrikulums. Hätte ich nicht zwei Semester „getrocknet“, dann hätte ich noch nach der älteren Approbationsordnung mein Studium gemacht. Die Approbationsordnung ist seitdem auch noch mindestens einmal geändert worden. Das Studium, das ich gemacht hatte, ist inzwischen sehr viel anders!
Als nächstes kommt die Apotheke, in der man dann sein Praktikum macht. Ich hatte Glück, denn wenn auch meine Chefin nicht so daran interessiert war mich auszubilden, so waren ihre Angestellten es um so mehr. Und auch meine erste Chefin war sehr drauf aus, daß ich weiterlerne. Und als ich dann schlußendlich meine eigene Apotheke hatte, war mir ganz klar, daß ich mit dieser Seitenstraßen-Bude nur punkten konnte, wenn ich gute Arbeit ableiste. Also gut und fundiert beraten kann.
Aber so ein Glück ist nun mal nicht garantiert. Man kann auch im Praktikum eine Apotheke erwischen, in der man nur eine billige Arbeitskraft für ein Jahr ist und nichts lernt – das gilt für PTAs ebenso. Ich erinnere mich nicht daran, daß jemals jemand von der Kammer bei uns an der Uni gewesen wäre, um uns zu sagen, worauf wir bei der Wahl der Praktikums-Apotheke schauen sollten. Heute haben wir in B-W immerhin die akademische Ausbildungsapotheken, die bestimmten Ansprüchen genügen müssen um diesen Titel zu führen (ich finde zwar, daß man damit schon fast wieder auf der anderen Seite vom Pferd fällt, aber es ist besser, als gar nichts)
Jetzt nehmen wir also mal eine mittelmäßig intelligente Frau, die an einer mediokren Uni einen Studienplatz für Pharmazie ergattert hat und sich immerhin erfolgreich durchs Studium gelernt hat. Ihr Praktikum absolviert sie in einer Apotheke, in der keiner daran interessiert ist, daß sie wirklich auch ausgebildet wird. Sie selber hat auch nicht wirklich großes Interesse am Beruf – auf die Frage: Warum bist Du Apothekerin geworden?, antwortet sie regelmäßig, daß man da so schön Arbeit und Familie vereinbaren könne, oder (noch besser!) daß ihre Eltern das wollten. Nach dem dritten Staatsexamen arbeitet sie in irgendeiner Apotheke, in der auch niemand so wirklich mit dem pharmazeutischen Feuer brennt, heiratet, bekommt drei Kinder und kommt dann doch nach x Jahren wieder in die Apotheke zurück um Vertretungen zu machen – warum auch immer. Hat im Prinzip von nichts mehr eine Ahnung, aber eine Approbationsurkunde – Bürostuhldeko im besten Fall.
Dagegen eine weitere junge Frau, intelligent und auch mit Abitur, kann aber – warum auch immer – „nur“ auf die PTA Schule. Vielleicht wollen oder können die Eltern nur zwei Jahre lang eine Ausbildung finanzieren. Sie erwischt eine gute Schule (ja, auch da gibt es Unterschiede! Im Stuttgarter Raum hat man bei Bewerberinnen schon gerne mal nachgesehen, auf welcher PTA Schule sie waren), eine richtig gute Praktikums-Apotheke und anschließend arbeitet sie zehn Jahre lang Vollzeit. Hat Chefs, die sie auf Fortbildungen schicken, sie hat Themen, die „ihrs“ sind, in die sie sich reinarbeitet etc.
Wem täte ich wohl meine Apotheke lieber anvertrauen?
Unter diesen Umständen – liebes PTAchen aufgepaßt! wir sind da näher gerückt! – votiere ich für die PTA. Die aber schon noch eine gewisse Weiterbildung im Sinne eines Studiums gemacht haben sollte, aber eben nicht die ganzen acht Semester. Ich denke schon, daß es möglich sein sollte da eine Art berufsbegleitenes Studium anzubieten, vielleicht eine Art Aufbaustudium. Diese „Super-PTAs“ sollten dann die Befugnis haben in ihrer Apotheke sechs Wochen im Jahr eine Vertretung zu machen, wenn sie vorher schon X Jahre dort tätig waren.
So könnte man auch das Aussterben der Bürostuhldekorations-Vertretungen beschleunigen, denn die gibt es ja nur, weil es die „Super-PTA“ eben nicht gibt.
Aber das ganze obige Szenario gibt es natürlich auch in der umgekehrten Rollenverteilung, grottige PTA und „Super-ApothekerIn“.
Mein Fazit: wir sollten wirklich drüber nachdenken, denn es könnte sowohl den PTAs wie den Apothekern neue Entwicklungsmöglichkeiten geben.

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3 Gedanken zu “PTA als Vertretung?

  1. Nun ja, wenn man sicherstellen kann, dass die „Super-PTA“ keine mittelmäßig intelligente Frau mit mittelmäßiger Ausbildung ohne großes Interesse am Beruf ist, die sich dann an einer mediokren Hochschule (Uni, FH, Duale Hochschule/BA) erfolgreich durchs Studium gelernt hat und sicherstellen kann, dass sie in der Praxis bleibt, sich ständig fortbildet usw., wäre es dann nicht naheliegender, das auch für die approbierten Vertreter zu tun?

    Will sagen: klar ist eine motivierte, studierte, fortgebildete, fitte „Super-PTA“ besser als eine Bürostuhldekoration. Nachdem sich aber auch der Gesetzgeber und die Aufsichtsbehörde sicherlich keine „Bürostuhldekoration“ vorstellen, sehe ich diesen Gegensatz zwischen „Karteileiche“ und „Super-PTA“ noch nicht. Man wird an approbierte Vertreter sinnvollerweise ähnliche Anforderungen stellen müssen und auch bei PTAs nicht wirklich zuverlässig prüfen können, wie engagiert, motiviert und fortgebildet sie aktuell sind.

    Am Ende bleibt dann nur die Frage: Muss es ein Apotheker sein oder kann auch eine PTA verantwortlich 6 Wochen im Jahr eine Apotheke leiten, ggf. mit Zusatzausbildung?

    Und wenn man letzteres bejaht, stellt sich direkt die Frage: Wieso nur 6 Wochen im Jahr? Wer eigenverantwortlich eine Apotheke leiten kann, kann das ganz oder gar nicht. Immerhin gelten die ganzen Argumente genauso gut für den Apothekenleiter wie für die Urlaubs-Bürostuhldekoration. Was also fehlt der PTA, um generell eine eigene Apotheke führen zu dürfen? Und warum hindert sie das dann nicht, das sechs Wochen lang zu tun?

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  2. Ich denke man sollte den PTAs ruhig mehr kompetenzen zutrauen, muss dabei aber bedenken das die Apotheker auch nicht mehr allzuviel davon haben.

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  3. Ich sehe das genauso. Ich habe mich vor ein paar Jahren entschieden, in die Industrie zu gehen und bin somit auf dem besten Weg eine „Bürostuhldekoration“ zu werden 😉 Abgesehen davon, dass ich nebenberuflich noch Notdienste mache um fit zu bleiben.
    Ich persönlich hätte aber auch echt Sorge, so eine Dekoration zu sein…ich meine, man kennt das Personal als Vertretung ja nicht. Es gibt gute Angestellte und schlechte und ich hätte echt Angst, schlechte zu erwischen…denn wenn ein Fehler geschieht, hafte ich dafür. Dann interessiert sich keiner dafr, dass ich nur „Bürostuhldekoration“ war, meine Aufsicht, meine Verantwortung. Ein Punkt, den Vertretungsapotheker gerne übersehen.
    Daher spreche ich mich auch für weitergebildete PTA aus, mit Berechtigungen analog zum Pharmazieingenieur.

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